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 Persona Non Grata

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Beleth

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BeitragThema: Persona Non Grata   So Jun 11, 2017 1:05 pm

Spätherbst, 2082; 00:46 Uhr
> Neovine :: Hauptbezirk, High-City


Es war kein von langer Hand geplanter Übergriff gewesen, genau genommen sogar eher Notwehr. Es war immer gefährlich, sich als Scamaton im Zentrum aufzuhalten, noch dazu High-City, noch dazu nachts, wenn es keine Menschenmengen mehr gab um abzutauchen. Vielleicht hatte der Androide auch bemerkt oder vermutet, dass Beleth Waffen bei sich trug, denn seine Bauweise ähnelte durchaus den Cyborgs der Raitas. Immerhin hatte ein solcher ihn ohne vorher zu fragen umbauen lassen, und das erlaubte dem Hauptmann selbst sich anbahnende Riesenscheiße elegant zu umschiffen. Nun, was hieß elegant, er hatte sich in eine saubere Seitenstraße verkrümelt, hatte bemerkt dass der Android ihm folgte – je mehr Zeit er diesem gab, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass er zu viele Daten sammelte und nachher hier eine Armada aufschlug. Es war eine Restaurantmeile, wo sich beide, sowohl Scamaton als auch Raitas, herumgetrieben hatten – Vorteil hierbei war, dass diese zumeist Hinterhöfe hatten, wo Waren geliefert und Müll gesammelt werden konnte, ohne Passanten zu stören. Für Beleth war es ein guter Ort für einen kurzfristigen Hinterhalt gewesen.

Er hatte Glück, es nicht mit einem High-End-Exemplar des Geheimdienstes, sondern der Polizei zu tun zu haben, was dem Assassinen die zwei Sekunden Zeit verschaffte, die er brauchte, bis der Android seinen Widersacher hatte aufspüren können. Ablenkung schaffte eine winzige Sprengkapsel, die kaum lauter knallte als ein handelsüblicher Gewehrschuss – normalerweise als Öffner für störrische Türen oder Verschlussklappen gebraucht eröffnete das kleine Ding das Zeitfenster und den Vorteil, den Bel brauchte. Der Android ließ sich nicht lange täuschen, dass ein Angriff von dieser Seite kam, aber diese Sekunde reichte schon völlig, um einen Cyborg mit magnetischer Persistenz wortwörtlich im Nacken zu haben. Die kurze Zeitspanne hatte gereicht, um mittels des Infoscanners den Typ des Androiden zu ermitteln und damit auch eine Schwachstelle. Nun weniger Schwachstelle, eher der Punkt, wo man eine 30 Zentimeter lange, versiegelte Osmiumklinge in den Nacken der Maschine rammen musste, damit sie einen Kurzschluss bekam. Der kurze Stromschlag war unangenehm, aber auszuhalten, und Beleth stieß sich von dem Androiden ab, ehe dieser zu Boden krachte. Glück gehabt.

Noch war er nicht vollständig tot, nur außer Gefecht – ein Zustand, der Korrigiert wurde, nachdem Bel das unhandliche Ding vollständig in den Schutz eines Hinterhofs gezerrt hatte. Eine Katze huschte hektisch aus einem der halboffenen Müllcontainer, vermutlich hatte sie sich erst jetzt von den dortigen Essensresten losreißen können. Sorry, aber es gab ausnahmsweise wichtigeres. Alles Verwertbare hebelte Bel aus der Verankerung, Energiequellen, ein paar Kabel, und knackte dann den Kopf der Maschine. Nur weil dieser tot war hieß es nicht, dass keine Daten dieses kleinen Techtelmechtels mehr vorhanden war. Den größten Datenträger nahm Bel mit, vielleicht fand sich darauf was interessantes, und stocherte im Rest so lange mit der Klinge herum, bis nur noch Fetzen übrig waren. Dauerte alles eine Weile, aber seine Scanner verrieten keine Cyborgs, Androide oder weitere technische Bedrohungen in der Nähe. Bel hockte sich auf den Schrotthaufen, fingerte eine Schachtel Zigaretten aus seiner Manteltasche und kam allmählich wieder zur Ruhe. Vielleicht sollte er sich in einem der Lokale noch einen Drink genehmigen, ehe es zum HQ ging, die Platine abgeben.
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Cifer

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BeitragThema: Re: Persona Non Grata   So Jun 11, 2017 1:59 pm

Schichtarbeiten konnten schon etwas lästig sein, wenn man gleich an einem Tag eine Früh-und eine Spätschicht übernehmen musste. Aber das musste der damals 19-jährige Seth Viome wohl überstehen, wenn er seinen Traum, mal irgendwann in einer großen Gastronomie arbeiten zu dürfen, erreichen wollte. Aktuell jobbte er für seine duale Ausbildung in einer noblen Restaurantkette, die in mehreren High-Cities der Bezirke Neovine's vertreten war. Am Morgen hatte er im Westbezirk gearbeitet, war danach in der Schule bis in den Nachmittag hinein. Spätabends musste er schließlich wieder in seiner schicken, schwarz-weißen Kellneruniform in den Hauptbezirk, um dort die nächste Schicht zu übernehmen, da jemand ausgefallen war. Gegen zehn Uhr hatte er seine Schicht in der High-City begonnen, welche sich mehr zerrte, da er schon den ganzen Tag auf den Beinen war, aber da er ein ziemlich aufgeweckter und freudiger Junge war, machte ihm das nicht viel aus. Ihn spornte es sogar noch mehr an, da man ihn wohl viel Vertrauen schenkte. Zudem wusste er nicht, dass er bald wieder hellwach sein würde.

Als er mit seiner Arbeit fertig war, ungefähr Viertel vor eins morgens, sollte der Blondhaarige noch den Müll mit Essensresten draußen zu den Containern bringen. Auch wenn es keine Glanzaufgabe war, tat er es gerne. Und irgendwer musste es ja machen. So schnappte er sich die zwei Mülltüten und ging zu der Hintertür des Restaurants, um von dort aus auf den Hinterhof zu gelangen. Da er in Gedanken war, als er den Hinterhof betrat, bemerkte er zunächst nicht, dass er nicht der einzige Anwesende hier war. Denn dachte er daran, ob er seinem Vater nicht etwas zu Essen aus dem Restaurant mitbringen sollte. Bestimmt hatte dieser auch wieder Überstunden abzuarbeiten und hatte den ganzen Tag nichts gegessen. Ja, so war sein Vater eben. Gerade, wo seine Gedankenzüge zu seinem Bruder abdrifteten wollten, bemerkte er im Augenwinkel eine Bewegung, wodurch er wieder in die Realität zurückgerufen wurde.

Die bernsteinfarbenen Augen schellten augenblicklich zur Seite. Klar, in einem Hinterhof sah man öfters mal was. Ratten. Katzen die die Ratten aßen. Hunde, die die Ratten essenden Katzen jagen. Doch diese Bewegung war anders gewesen, von einer Silhouette, die einem Androiden oder stark ausgebautem Cyborg glich. Im schwachen Mondschein, welche sich durch die Dächer der Häuser kämpfte, erkannte er schließlich, wie jemand auf einem zerstörten Androiden hockte. Den Hockenden an sich konnte er nicht klar erkennen, doch sah man dem inzwischen Schrotthaufen deutlich an, dass bei ihm so einiges fehlte. Seth wollte die Stimme erheben, um zu fragen, wer da sei - nein, irgendwie hatte er keine Angst. Er hatte ja eine Zeit lang unter Androiden und ähnlichem gelebt. Zudem ließ die Neugierde seine gegebenenfalls aufkommende Angst schwingen. Doch in dem Moment knallte die schwere Hinterhoftür vom Restaurant zu, was einen kleinen Knall gab, den Seth aber so erschrack, dass er erschrocken aufkeuchte und aufsprang, wodurch beide Mülltüten zu Boden fielen und aufplatzten.

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Zuletzt von Cifer am Mo Aug 14, 2017 2:19 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Beleth

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BeitragThema: Re: Persona Non Grata   So Jun 11, 2017 2:44 pm

Musste toll sein, einer mehr oder weniger geregelten Arbeit nachzugehen, in der man eher selten Gefahr lief, hinterrücks erschossen, erdolcht oder inhaftiert zu werden, nur um möglichst noch viele Kameraden unter Folter auszuspucken und DANN zu verrecken. Allerdings beneidete Bel niemanden der Schäfchen, die so wie er selbst früher im Schutze dieser künstlichen Gesellschaft so behütet fühlten, die sich sicher wähnten wenn ein Android der Polizei an ihnen vorbeiging. Früher oder später musste es ein Erwachen geben … doch eben nicht mehr für den Haufen Metall, auf dem Beleth hockte und sich ein bisschen ausruhte.
Er war bereits längere Zeit unterwegs, schlief niemals, so lange wie er sich im Hauptbezirk aufhielt, nirgends wo er nicht absolut sicher oder durch Verbündete geschützt war. Doch arbeiten tat er allein, zwar wäre es besser gewesen den Andro-Cop mit einer Überzahl zu begegnen, aber es war einfacher, wenn kein Verbündeter in die Quere kam, als Störfaktor alles unberechenbar machte … nein, das musste nicht sein. Es könnte jederzeit passieren, dass es den Hauptmann erwischte (und dank seiner nicht gerade optimistischen Ader machte er da keinen Hehl draus), und gerade hier trug er niemals Kommunikationsmittel bei sich, über die man andere Scamaton finden könnte, wenn er selbst tot war, es würde vielleicht nicht mal jemandem auffallen, nicht allzu bald. Doch bisher hatte er überlebt und auch nicht vor, das allzu bald zu ändern. Eigentlich, dachte sich Bel während er die letzten Bauteile im Kopf der Kreatur zerstocherte, war es ja nur Sachbeschädigung, was er hier machte. Es war Metall, Daten, Schaltkreise, sonst nichts, ersetzbare Einzelteile die keiner vermissen würde. Ob der Android programmierte Angst empfunden hatte, die Anspannung, den Nervenkitzel, das Adrenalin welches durch Bels noch natürlichen Restkörper gejagt war? Vermutlich nicht. Und Instinkte hatten diese Viecher auch nicht. Er verspürte keine Reue, niemals, sie zu vernichten.

Der Cyborg seufzte lautlos, dem leisen Surren im Innersten lauschend, wenn die künstlichen Lungenflügel den bläulichen Zigarettenrauch einsogen, den wenigen verbleibenden Sauerstoff filterten und noch dichteren Dunst wieder ausatmeten. Nicht einmal mehr Mensch genug um Lungenkrebs zu kriegen, hmph. Er sollte zum Hauptquartier zurück, es wurde zu riskant im Hauptbezirk zu verweilen, doch die Sache mit dem Drink war noch nicht vom Tisch.
Mit den Gedanken woanders und den Sinnen auf die Gasse fokussiert, von welcher er gekommen war, bemerkte Bel den Störfaktor erst zu spät, auch keiner der Sensoren hatte angeschlagen. Nichtsdesotrotz löste der unerwartete Knall, nicht einmal das leise Gepolter und Gekuller kaputter Mülltüten danach, unweigerliche Reflexe aus, in einer fließenden Bewegung fuhr Bel herum und rutschte von dem Androiden herunter. Dessen Überreste bebten, durch das Blau knisternde elektromagnetische Feld beeinflusst und bereit, den Blechhaufen jederzeit wie einen Schutzschild vor sich zu hieven. In der gleichen Bewegung löste sich eine halb in der Armprothese verborgene Waffe, klein, aber nicht zu unterschätzen. Erst im Bruchteil des Augenaufschlags, den es gebraucht hätte um den Abzug durchzuziehen, erfassten die einer Sonnenbrille ähnelnden Scanner, dass das a) nichts brachte und b) nicht in Ordnung war. Ein kurzer EMP hätte dem Menschen vor ihm sicher wenig ausgemacht, jedenfalls nicht im Sinne des Erfinders. Keine Prothese, keine Waffen, nichts. Nur ein Kellner, so wie sich die Lage darbot.

Der zuvor einige Handbreit über den Boden schwebende Androidenkörper krachte wieder herab, zeitgleich mit dem Erlöschen des Kraftfeldes. Auch die Waffe war wieder im Ärmelaufschlag des Mantels verschwunden, und Beleth richtete sich aus der hockenden Position auf. Der Junge mochte kaum volljährig sein, vermutlich bloß die Aushilfe, die den Dreck wegräumen durfte, welcher der feinen Gesellschaft nicht mundete. Hm, nur war der Weg zurück versperrt, er brüllte nicht panisch, eine seltsame Situation.
„Wenn du nicht gerade hier bist, um mir was zu trinken zu bringen, wäre es für uns beide von Vorteil, wenn du das hier einfach vergisst.“, sagte Bel und schnippte gegen die vernachlässigte Zigarette, Asche rieselte zu Boden und seine Lungen surrten erneut leise im Innersten, um den blauen Dunst zu filtern.
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Cifer

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BeitragThema: Re: Persona Non Grata   Do Jun 15, 2017 9:56 pm

Seth war eigentlich immer der Typ Junge gewesen - zumindest seit er in Neovine lebte -, der sich nie groß Gedanken drüber gemacht hatte, ob er nun einem normalen Zivilisten, einem Raitas, einem Scamaton oder gar einen Kiheda gegenüber stand. Wahrscheinlich war er es einfach nur gewohnt, an spannungsvollen und heiklen Situationen teilzuhaben, da er ja auf einem Stützpunkt aufgewachsen war. Er lebte einfach sein Leben, strebte das an, was er verfolgte und wünschte. Denn war ihm die Tatsache, dass er sich eigentlich der Raitas anschließen sollte, nicht wirklich bewusst. Für ihn lebte er als kleiner Teil in dem großen Ganzen. Dem ganzen Trubel, Hin und Her und androhenden Chaos. Man konnte ihn schon als Naivling bezeichnen. Weil er einfach nicht erkannte, wie es zu seiner jetzigen Situation gekommen war. Das er eigentlich einem für ihn hervor bestimmten Weg entlang ging und dies nicht wahr nahm. Keineswegs war er dumm. Er war legendlich ein Junge, der zu lieb und nett für diese Welt war, sich für alle Glück und Freunde wünschte - auch, wenn dies in dieser Gesellschaft niemals wahr werden konnte. Doch dies sollte er noch nicht erfahren. Stattdessen sollte er heute, genauer gesagt jetzt, einen Weg kennenlernen, der ihm eines Tages dazu verhelfen würde, die Augen zu öffnen.

Und dieser 'Weg' erhob sich schlagartig aus der wohl gemütlichen Situation, als dieser den Blondhaarigen bemerkte. Seth's Augen weiteten sich, blinzelten verwundert das blaue elektromagnetische Feld an, welches den ramponierten Androiden mit sich trug. Damit wurde ihm wohl klar, dass er vor sich keinen normalen Cyborg hatte - im Sinne von, ein Zivilisten Cyborg, der sich normale Prothesen aneignen musste. Sein Gegenüber besaß spezielle Fähigkeiten. Sprach schonmal für eine der drei großen Fraktionen. Ebenso sprach die Reaktion dafür. Der Fall des Schildes rissen den Jungen aus seiner leichten Trance und wisch einer leichten Anspannung, wodurch seine Augen wieder zu dem Anderen glitten. Er jetzt, auch wenn nur schwach, erkannte er ihn etwas besser. Schließlich war er ihm nun ganz zugewandt. Bei den Worten musste er unwillkürlich Schlucken und wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Doch aus irgendeinem Grund - verfiel seine kurz zuvor aufgekommene Anspannung. Obwohl der Inhalt des Satzes ihn noch mehr hätte verschrecken müssen. Schließlich war nun klar, dass Seth seinen Gegenüber offensichtlich bei etwas erwischt hatte, was niemand anderes hätte erfahren sollen. Vor allem kein unbeteiligter Zivilist.

Schließlich kam ein zögerliches: ,,J-ja", über seine Lippen. Auf den Versen drehte er sich um, ging mit leicht beschleunigten Schritten zur Hinterhoftür und zog leicht an der Klinke. Verschlossen. Natürlich. Wer war eigentlich dieses Genie, der kundgegeben hatte, dass alle Hinterhoftüren sich automatisch schlossen und nur von innen heraus zu öffnen waren? Diesen Kerl sollte man vom Terror Peak schubsen. Doch natürlich hatte Seth nicht solche Gedanken, durch seinem Kopf ging ein: Ich hätte es wissen müssen. . . Einen Moment zögerte er, ehe er sich leicht zur Seite drehte, seinen Kopf zu Beleth gewandt, welcher durch den leuchtenden Punkt seiner Zigarette schnell zu finden war. Zugegeben, nun wurde er nervös. Sein Herzschlag beschleunigte sich und sein Blick ging peinlich berührt zu Boden, suchten einen Punkt, den er fixieren konnte. ,,Nun. . .", setzte er an, mit einer leicht gesenkten Stimme. ,,Ich würde ja gehen, doch. . .", er erhob seine Hand, deute dabei mit dem Daumen zur Tür. ,,Ich komm hier nicht mehr weg." Der trotzdem noch anwesenden Neugierde nicht unterdrücken könnend, linste er mit seinen Augenpaar vorsichtig zum Cyborg herüber.

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Beleth

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BeitragThema: Re: Persona Non Grata   Mo Jun 19, 2017 7:13 am

Immer diese störenden Zivilisten, die bestenfalls noch laut kreischten und um Hilfe brüllten, wenn es doch bloß ein lebloses Ding erwischt hatte – für Bel war das wie gesagt kein Mord, sondern Demontage einer überkandidelten Maschine. Dass die Menschheit sich freiwillig von umgebauten Toastern und Mikrowellen verwalten und reglementieren ließ, war traurig genug dass es den Cyborg wütend machte. Er wäre lieber gestorben, im Wissen eine Frau gerettet zu haben, aber nicht dass sie zum Feind gehört hatte, und wäre auch lieber nicht fast vollständig umgebaut wieder zu sich gekommen. Aber wo es nun schon mal so weit war, konnte man es auch nutzen um im Herzen des besten Fressviertels von Neovine ein wenig Altmetall zu entsorgen.
Ob es nun Naivität war oder nicht, Bel war sowohl skeptisch als auch leicht neugierig, wieso jenes kleine Menschlein nun eben nicht anfing zu brüllen. Vielleicht half es, dass Androide nicht bluteten, hätte man einem Menschen oder Bel selbst so im Kopf rumgestochert hätten selbst die Katzen vor Ekel keinen Bock mehr gehabt, hier Futter zu suchen. Doch nicht einmal die Präsenz einer offenbar entsicherten Waffe brachte den Blondschopf in akustischer Weise aus der Fassung, war vielleicht auch der Schock, aber es machte Bel neugierig. Ein High-City-Bewohner, der nicht sofort Alarm schlug, wenn gerade offensichtlich ein Raitas getötet worden war ...aber gut, wer hätte von dem jungen, ambitionierten Arzt damals gedacht, er könne sich binnen einer Nacht der Scamaton zuwenden? Der Kleine hatte etwas Unrecht – es wäre schlimmer gewesen von etwas anderem als einem Zivilisten erwischt zu werden, wobei man aber auch sagen musste, dass Bel ziemlich nachlässig einfach am Ort des Geschehens verweilt war. Da konnte dieser Krümel nichts dafür, und selbst wenn dieser nach Leibeskräften geschrien und im Kreis gerannt wäre – Bel würde keine Menschen angreifen. Nicht einfach so.

Das erste, was der Kleine sagte, war tatsächlich Ausdruck des Gehorsams. Bel scannte sicherheitshalber noch mal, ob er nicht doch irgendwas an Modifizierungen hatte, aber bis auf irgendwelchen Kleinkram, der Handy, Uhr oder sonstiges sein könnte, war dort nichts. Er wandte sich ab und ging zur Tür, wohingegen der Cyborg gerade selbst nicht so sicher war, ob seine Ansage jetzt ernstlich angekommen war oder das immernoch nur Schock war – aber so weggetreten wirkte der Junge genauso wenig. Nur anscheinend ging die Tür von außen nicht auf, was ja auch sinnvoll war, aber wenig hilfreich im Moment. Bel schmunzelte innerlich und beruhigte die eigenen Vitalfunktionen erneut, hörte die Filter seiner Lungen ganz leise gegen die Zigarette anarbeiten. Ein Drink wäre echt nicht schlecht. Allerdings sah er in der geschlossenen Tür kein so großes Problem, die Rede war schließlich von Vergessen, nicht von sofort verkrümeln – Bel hätte die Tür natürlich auch aufschließen können, war kein allzu kompliziertes Schloss. Aber das ginge dann doch zu weit.
„Dann nimm am Besten die Vordertür, mh?“
, schlug er vor, da die geschlossene Tür den Krümel offenbar mehr verunsicherte als ein verdammter toter Android im Hinterhof, aber dann musste er halt um das Lokal herumlaufen.  Der Cyborg machte sowieso besser die Fliege, denn irgendwie war es schon zu lange zu still und er war sich auch nicht sicher, ob alle Standort-Transmitter des Blechhaufens kaputt waren oder ob sich eventuelle Kollegen wundern könnten, wenn dieser keine Rückmeldung mehr gab …
In dem Moment schlug der Scanner an, nur wenig behindert durch die umgebenden Gebäude und Metalle. Doch das waren ja andere als die, die man zur Herstellung von Androiden verwendete, und in der Stille der Gassen hallten mechanische Schritte wider. Verdammt.

Bel fluchte leise, aber derb, und entschied binnen Bruchteilen von Sekunden. Er konnte nicht hierbleiben, und den Krümel aber auch nicht hier stehen lassen. Nicht dass man den Blonden beschuldigen würde, das getan zu haben, das war physikalisch möglich, aber auch er wäre als anscheinend unbescholtenes Bürgerchen gezwungen zu erzählen, was passiert war, wenn er nicht sofort als Mittäter behandelt werden wollte. Noch während die glimmende Kippe zu Boden fiel, stieß Bel sich kraftvoll ab, schnellte vor und schnappte sich den Jungen um die Körpermitte, ihn sich über die rechte Schulter hebend. Nicht sehr liebevoll, aber so hatte er beide Hände frei. Der erste Satz brachte ihn auf die Mauer des Innenhofs, wo er nur für einen Moment verharrte und die Scanner hektisch surrend eine Berechnung erstellten, etwas koppelte sich aus seinem Arm aus und fiel auf den Hinterhofboden. Der nächste große Sprung, mit so viel zusätzlichem Gewicht nur dank eines elektromagnetischen Feldes möglich, brachte sie aufs Dach.
„Festhalten.“, knurrte Bel und leitete dann einen Großteil der verfügbaren Energie in seine Beine – bloß weg. Und nein, er rannte nicht vor den zwei, vielleicht gar drei Raitas die anscheinend drauf und dran gewesen waren, ihre Privatparty im Hof zu sprengen, sondern weil das kleine Ding aus seinem Arm ein EMP war. Die Reichweite betrug immerhin 50 Meter, und er konnte keine allzu lange Zeitschaltung einrichten – im Zweifel war ein Android schneller als Bel selbst.
Erst kam der blau grelle Lichtschein, dann der technisch dumpfe Klang, als der Puls zündete und es schlagartig etwas dunkler wurde, alle Elektronik im Radius versagte, doch es war keine Druckwelle zu spüren. Es war knapp, Bel spürte entfernte Auswirkung des elektromagnetischen Feldes als kurzes Flackern der Systeme, als minimales Straucheln während des Sprints über die Dächer. Lange konnten sie dort aber nicht bleiben, es war zu aufällig gerade wenn es hier gleich vor Raitas wimmeln würde, und mit einem erneuten Sprung ging es wieder herab in eine andere Gasse, vielleicht 200 Meter Luftlinie entfernt vom Ort des Geschehens. Der Aufprall war etwas wuchtiger mit dem Krümel über der Schulter, aber zu verschmerzen, Bel griff diesen um die Taille und stellte ihn wieder auf eigenen Beinen ab. Schöne Scheisse, aber immerhin, Bel lebte noch und das mit der Verfolgung dürfte sich dank weiterer deaktivierter Faktoren erst mal erledigt haben. Nur dass es jetzt binnen kürzester Zeit hier vor Raitas nur so wimmeln würde, und dann sollte er verschwunden sein.
„Alles noch dran?“
, fragte er seine unfreiwillige Begleitung.
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Cifer

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BeitragThema: Re: Persona Non Grata   So Jun 25, 2017 7:57 pm

Das bernsteinfarbene Augenpaar lag weiterhin auf dem respektvollaussehenden Cyborg. Unsicher, was er nun tun sollte stand er da. Doch die Worte oder viel mehr der Ratschlag ließen Seth nun wieder richtig aufblicken. Am liebsten hätte er sich selbst ins Gesicht geschlagen. Die Vordertür. Natürlich. Warum war er da selbst draufgekommen? Anscheinend brachte ihn die Situation doch mehr aus der Fassung, als zunächst vermutet. Denn zugegeben. Er war ziemlich aufgeregt, sein Herzschlag war beschleunigt. Auch wenn er die Anwesenheit von Cyborgs und Androiden mehr als gewohnt war, war dies anders als sonst. Die der Raitas, mit welchen er in den Greenlands gelebt hatten, waren ja auf seiner Seite gewesen. Wobei dies auch wiederrum falsch war. Er wusste nicht, auf wessen Seite er stand und wer auf seiner. Das war alles wohl zu Komplex.

So wollte Seth seine Beine in die Hand nehmen und vom Hinterhof verschwinden. Doch hielt er an, als Schritte erklangen. Metallische. Sein Blick glitt zu Beleth - doch das, was in den nächsten Sekunden geschah, realisierte er erst nach und nach. Und hinterher musste er sich wohl auch eingestehen, dass er über den Lauf der Dinge sehr froh und dankbar war. Eine Mischung aus erschrockenem Schrei und schmerzvollen Stöhnen entkam seiner Kehle, als im Bruchteil eines Wimpernschlages die Schulter des Älteren gegen den Unterbauch schlug und ihn damit hochhievte. Damit entwisch ihm sämtliche Luft und er kam erst wieder richtig zur Besinnung, als Beleth mit Seth wie Tarzan mit Jane über die Dächer sprang. Instinktiv klammerte er sich in das Oberteil des Scamaton, um irgendwo Halt finden zu können. Das Risiko, unterwegs sonst runterzufallen, war ihm wohl definitiv zu hoch.

Der Blondschopf blickte den Weg entlang, den sie hinter sich brachten. Zunächst wunderte er sich, warum sie nicht vorfolgt wurden. So schnell ließen sich Raitas doch nicht abhängen. Dann kam ihm dieses elektromagnetische Feld in den Sinn, den Beleth zuvor beim Andoriden angewendet hatte. Wahrscheinlich besaß der Cyborg noch solche ähnlichen Fähigkeiten und hat damit kurzzeitig die Verfolgung hinausgezögert. Darüber konnte er aber nur rätseln. Doch bei einer Sache war er sich nun sicher. Es handelte sich um einen Widerständler oder Terroristen. Wobei er letzteres ausschloss. Solch einer hätte den Jungen wahrscheinlich seinen Schicksal überlassen. Und da fiel es ihm ein - er konnte seinem Träger dankbar sein. Die Raitas hätten ihn beschuldigen können, den Androiden so zugerichtet zu haben. Auch, wenn es zeitlich nicht passen würde. Er war ja zuvor im Restaurant gewesen. Wobei er sich gut vorstellen konnte, dass die Angestellten dort sagen, sie wüssten von nichts, um gleich aus dem Schneider zu sein. Dies hätte wohl das Ende für Seth bedeutet. Da hätte auch sein Vater nichts mehr drehen können.

Sein Blick glitt zum Hinterkopf des Brünetten. Ja, er konnte ihm dankbar sein. Zwar wäre der Scamaton die Ursache für dieses Desaster gewesen. Doch konnte er nichts für seinen ungebetenen Gast. Es war kompliziert. Seth war ihm einfach nur aufrichtig dankbar. Er richtete seine Augen wieder nach vorne. In der Sekunde erschien etwas im Augenwinkel, was vorbeifliegen wollte, der Junge aber schnell nach griff. Neugierig beobachtete er seinen Fang. Ein großer Datenchip. Irritiert blinzelte er auf. Woher. . .? Dann ging sein Blick wieder zu Beleth. Bestimmt gehörte dieser dem Anroiden und Beleth hatte es einfach gerade im Flug verloren. So hielt er es fast.

Die Landung war alles andere als toll. Wieder kuschelte die Schultern intensivst mit seiner Magengrube, weshalb er erneut ein schmerzvolles Stöhnen von sich gab. Kurz tänzelten auch bunte Sternchen vor seinen Augen herum. Doch schnell legte sich dies, als er wieder mit eigenen Füßen auf dem Boden der Tatsache stand. Mit großen Augen sah er zum Größeren hinauf, der mit ihm sprach. Eine Sekunde brauchte er um zu verstehen. Schließlich war er sehr aufgeregt. ,,J-ja!", stammelte er kurz, ehe er sich kurz selbst betrachtete. ,,Alles noch dran." Irgendwie kam er sich blöd vor. Natürlich war alles noch dran. Schnell wand er sich aber wieder zum Brünetten. Seth ging einen Schritt zurück, umgriff den Datenchip mit beiden Händen. Sich tief verbeugend, hielt er diesen nach vorne gestreckt vor sich, damit Beleth diesen gleich sah. ,,Ich weiß, es ist komisch, aber danke. Ohne das. . . mitnehmen. . . hätten die Raitas mich wohl beschuldigt, diese Tat begannen zu haben." Einen kurzen Moment legte er eine Pause ein und dachte nach, was er noch sagen sollte. ,,A-Auch wenn ich vielleicht nicht sollte. . . die Datenbank haben Sie eben verloren. Ich habe diese für Sie festgehalten, als Dank."

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Beleth

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BeitragThema: Re: Persona Non Grata   So Jun 25, 2017 9:35 pm

Gut, wer völlig ungerührt die Tatsache hinnahm, dass ein malträtierter Cop im Hinterhof der eigenen Arbeitsstelle vor sich hin suppte, hatte wohl ohnehin selbst nicht mehr alle beisammen oder gehörte zu einer der Gruppierungen, die einen toten Raitas eher positiv aufnahmen. Bel glaubte allerdings nicht, dass etwas davon auf den Jungen zutraf, der ein typisches Opfer von „Zur falschen Zeit am falschen Ort“ darstellte. Und selbst wenn er ein Kiheda war … dann wäre er trotz allem noch ein Mensch. Und ein Mensch sollte das Recht haben, so zu leben wie er wollte, Bel konnte zwar nicht gutheißen was diese Bande an Vollidioten tat, doch wenn eine Lebensform dazu berechtigt wäre alles und jeden in dieser kaputten Welt zu hassen, dann Menschen. So oder so, er konnte ihn nicht hierlassen, auch wenn ein EMP dem Blondschopf nicht viel ausgemacht hätte im Vergleich zu ihren Verfolgern.
Pech nur dass der ursprüngliche Tarzan keine Platinlegierung als Schulter hatte und diese Jane hier etwas mehr wog als ein Strichmännchen von Disneyprinzessin. Ging nicht anders, auch wenn Bel die leisen Laute des Schrecks durchaus wahrnahm konnte er im vollen Lauf und beim Herumspringen sowieso nichts dagegen tun.

Unter dem Stoff des Mantels würden die noch weit tastempfindlicheren Hände des Menschen mit etwas Glück die Gurte der kugelsicheren Weste zu fassen kriegen, an denen nicht nur Bels Leben sondern auch diverser Schnickschnack für Auseinandersetzungen hing. Doch es schien, dass das, was er geworfen hatte, völlig ausgereicht hatte, um sich aus dem Staub zu machen und den armen Kerl wenigstens wieder auf die eigenen Beine zu stellen, sobald ein halbwegs sicherer Platz dafür erreicht war. Allzu lange sollten sie sich aber nicht aufhalten, es war leider so dass man in einer High City nicht unbedingt ein EMP zünden und dann fröhlich davonspazieren konnte.
Seine Sanfteste Landung war es gewiss nicht, schon gar nicht unter solcher Last, aber da der Knirps nicht gleich kollabierte, war es wohl noch im Rahmen des Erträglichen. Man konnte ja trotzdem noch mal nachhaken.

Das Ergebnis der Selbstüberprüfung fiel wohl positiv aus, im Sinne von fehlender weiterer Blessuren außer dem Schreck, vielleicht nem kleinen Schleudertrauma und morgigen Nackenschmerzen, alles zu verkraften und definitiv besser als das, was beim Verbleib an Ort und Stelle passiert wäre. Bel nickte, die Antwort auf seine Frage zur Kenntnis nehmend, und fingerte eine weitere Zigarette aus seiner Manteltasche – bis ihm einfiel, dass das vielleicht nicht allzu passend war mit einem ziemlich verstörten Jugendlichen in unmittelbarer Nähe, also steckte er sie wieder weg. Dann wandte er sich diesem zu, die ungewöhnliche Bewegungsabfolge durchaus erfassend.
In Reaktion darauf schob sich das dunkle Visier beiseite, das bis eben noch die Augen des Scamaton verdeckt hatte, und richtete sich erst auf den Jungen, dann die Platine. Konnte gut sein, er hatte das Teil nur in seinem Mantel verstaut, wo es nicht gerade sicher war, die Mühe wäre umsonst gewesen.
„Huh, danke.“, meinte er, durchaus so etwas wie Anerkennung im Unterton, und nahm das Teil achtsam entgegen. Wirkte noch intakt, sie waren wohl weit genug vom EMP weg gewesen selbst für das empfindliche Bauteil. Diesmal packte er es gleich in die Innentasche des Mantels, kurz mit dem Bewegen des Saums ein weiteres Waffenholster am Oberschenkel offenbarend, und fixierte dann wieder den Menschen.
„Es hätte gereicht, dass du mich gesehen hast. Und ich glaube nicht, dass du Lust hast, unter Folter alles zu erzählen was du weißt oder auch nicht weißt.“, und er erwartete erst recht nicht, dass der Knirps für einen Fremden log und dafür dann draufging, „Na komm, ich bring dich zurück. Und dann vergisst du das alles, dann passiert dir nichts.“
Zumindest wenn ihm unterwegs was gutes einfiel, wie er auf einmal müllwegbringend von einem Hinterhof mit jetzt drei deaktivierten oder filetierten Androiden weggekommen war, nur um dann jetzt wohl den Vordereingang zu einem dank EMP stockdunklen Gebäude zu nehmen. Naja, waren noch einige Minuten Fußweg.
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Cifer

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BeitragThema: Re: Persona Non Grata   Mi Jun 28, 2017 7:10 pm

Wo der Größere den Datenspeicher entgegen nahm, erlaubte Seth es sich, seinen Kopf wieder etwas anzuheben, sodass er in das Gesicht seinen Gegenübers blicken konnte. Neugierig sa er in die Augen, welche vorher noch von einem Visier verdeckt wurden. Wo dieser sprach, richtete er sich nun vollkommen auf und lauschte aufmerksam den Worten. Denen er zustimmen musste. Es stimmt, die Raitas machte bei sowas keine halben Sachen. Zumindest viele von ihnen. Manche Methoden wirkten wirklich blutrünstig. Unmenschlich. . .
Kurz schüttelte er den Kopf, um wieder klaren Gedanken zu fassen. Mit großen Augen sah er Beleth an, wo dieser davon sprach, er wolle Seth zurück zum Restaurant bringen. ,,Das wäre denke keine gute Idee", sprach er kopfschüttelnd. Etwas nervös senkte er seinen Blick und fing an zu sprechen: ,,D-das Risiko wäre noch zu groß, dass Sie von der Raitas entdeckt werden. Auch, wenn wir nun entkommen sind und Sie unsere Verfolger irgendwie. . . außer Gefecht gesetzt haben. . .? So wäre es sehr wahrscheinlich, dass bereits neue eingetroffen sind und die Umgebung um das Restaurant und Hinterhof durchsuchen. Ich möchte nicht, dass Sie sich für mich jetzt extra noch in Gefahr begeben, nur um mich zurück zu bringen. Ich bin durchaus in der Lage, wieder selbst zurück zu finden. Trotzdem danke ich Ihnen aufrichtig!" Die Worte ratterten nur so aus ihm raus. Seine Nervosität war wohl überdeutlich zu sehen - und zu hören. Denn war er manchmal selbst über seine eigenen Wörter gestolpert und wurde gegen Ende immer leiser.

Warum er sich so verhielt, wusste er selbst nicht. Irgendwie konnte er keinen klaren Gedanken fassen. Er schien sichtlich überfordert. Seth war sich nicht sicher, ob das, was er getan hatte, richtig gewesen war. Dass er den vermutlichen Scamaton schützte und sogesehen unterstützte. Wenn das rauskam. Man könnte ihn beschuldigen, mit dem Widerstand zusammen zu arbeiten. Noch schlimmer, dies könnte man dann auch von seinem Vater vermuten. Schließlich hatte er sich sich auffällig gemacht, als er seinen jüngsten Sohn irgendwie aus der Raitasschiene gerissen hat, damit er ein normales Leben führen konnte. Weshalb das alles, wusste der Blondschopf selbst nicht. Wahrscheinlich, damit er seinen eigenen Weg wählen konnte. Doch was, wenn sein Vater dann seinen Job verlieren würde? Doch dies wäre in dem Falle wohl das kleinste Übel. Seine wirren Gedanken fanden noch geradewegs zu seinem Bruder. Chris. . .! Was, wenn dieser auch davon Wind bekam? Und böse und enttäuscht von seinem kleinen Bruder war? Alleine der Gedanke daran, versetzte dem Jungen einen Stich in der Brust. Vor allem wenn er daran dachte, dass ihm dadurch auch was schlimmes widerfahren könnte.

,,I-ich finde wirklich alleine wieder zurück. Aber vielen Dank!", sprach er plötzlich, ungewollt etwas lauter als beabsichtigt und machte auf seinen Versen kehrt. Mit schnellen Schritten wollte er davon gehen, doch dann wurde ihm ein Strich durch die Rechnung gemacht. Durch die Aufregung merkte er schließlich, wie ihm am Unterbauch etwas sehr schmerzte. Irritiert blieb er nur nach zwei drei Schritten stehen und blinzelte verwundert. Er legte seine Hand auf die Stelle, woher der Schmerz kam. Kurz verschwand er, ehe er wieder in immenser Form wieder kam. Erschrocken und schmerzvoll keuchte Seth auf. Wie in dem Moment, wo der Cyborg ihn geschultert hatte, so bildeten sich wieder bunte Sternchen und Pünktchen vor seinen Augen. Ihm wurde schlagartig sehr schwindelig. Anscheinend hatte ihn die Hochheb- und Landeaktion mehr mitgenommen als gedacht. Zwar wusste er es noch nicht - er war nicht groß verletzt. Es hatte sich einfach nur ein großer Bluterguss gebildet, der jetzt seine Tücken inform eines stechenden Schmerzen offenbarte. Und dieser zeigte überdeutlich seine Wirkung, als eine erneute Schmerzwelle den Neunzehnjährigen schließlich auf die Knie zwang. ,,Urgh. . .!" Keuchend stützte er sich mit einer Hand am Boden ab, während er sich mit der anderen immer noch den Bauch hielt. ,,V-ver. . . dammt. . ." Sich darauf konzentrierend, sich nicht gleich vollzukübeln, nahm er nicht wahr, wie sich allmählich wieder metallende Schritte der Gasse näherten.

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Beleth

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BeitragThema: Re: Persona Non Grata   Do Jun 29, 2017 11:14 pm

War Bel nicht unbedingt gewohnt, vielleicht waren auch einfach alle Angehörigen der High City so komisch drauf – nicht nur was Zerstörung, sondern auch Dankbarkeit anging konnte man es übertreiben. Wobei letzteres nicht wehtat, also alles in Ordnung. Es wunderte Bel nur, und dass er den ausdrucksstärksten Part des menschlichen Gesichtes, die Augen, als Erwiderung darauf zeigte, bedeutete dann wohl auch entsprechende Wertschätzung. Allerdings schien eine immerhin bewaffnete Eskorte nicht im Sinne des Jungen zu sein. Seine Ausführung ließ Bel allerdings für einen Moment schmunzeln, nicht viel, nur ein vorbeihuschender Schatten, aber vorhanden.
„Dämliche Maschinen würden nicht damit rechnen, dass jemand der gerade drei ihrer Mitstreiter losgeworden ist sich seelenruhig in eine Bar setzt, oder?“, antwortete er, würde zwar die Ablehnung des Jungen verstehen und akzeptieren, aber wollte durchaus dessen Blick schärfen dass es mehr als nur den einen, offensichtlichen Weg gab. Riskanter zwar, aber auch jene dunkle Gasse, in der man mit etwas Glück und Geschick nicht entdeckt wurde. Mal ganz davon abgesehen, dass der Scamaton hier überall in Gefahr war, egal ob in, vor oder hinter einer Bar. Trotzdem putzig, was für ein Nervenbündel sein Gegenüber war, war vermutlich das Spannendste was hier in diesem Quartier jemals passiert war.

Der Assassine maßte sich nicht an, einzuschätzen was für den Jungen alles noch hier mit dranhing, letzten Endes waren sie Fremde, durch den Zufall zusammen geführt und möglichst nicht allzu lang in einem Hinterhof zusammen gepfercht – wobei dies hier wenigstens schon eine Gasse war.
Bel sagte nichts weiter dazu, würde letzten Endes niemandem schaden und den Jungen wohl beruhigen, wenn er nicht mitkam – suchte er sich halt woanders einen Drink auf den Schreck. Denn Recht hatte Blondchen in einem Punkt definitiv – es würde vor Raitas nur so wimmeln, wenn man sie überhaupt noch reinließ bis der Strom wieder lief, wenn überhaupt. Wäre schade um das ganze Essen und die Getränke, wenn alle Strom- und Kühleinheiten erstmal lahmgelegt waren. Er nickte nur, gedanklich schon dabei seinen Heimweg und die nächste Zigarettenpause zu planen, und ließ den Jungspund ziehen. Glück gehabt, diesmal noch. Das sollte sich allerdings ändern.

„Hm?“, machte er, durchaus registrierend dass die Schritte unregelmäßig wurden, die Bewegungen aus dem Augenwinkel, das Keuchen. Das Visier noch immer offen wäre es sowieso nicht möglich gewesen, mit dem Scan herauszufinden, was einer Nicht-Maschine fehlen könnte, aber anscheinend war ihm vor Aufregung schlecht oder er hatte etwas abbekommen, was Bel ja schlecht abschätzen konnte. Seine Schulter war okay, beziehungsweise im Eimer, deshalb hatte er ja eine aus Metall.
„Kleiner?“, fragte er nach, auch wenn es nicht den Anschein hatte als würde dieser wirklich etwas herausbringen – zumindest keine Worte. Stattdessen hörte Bel etwas anderes und das wurde mit einem in welcher Form auch immer beeinträchtigten Menschen zwischen den Fronten höchstwahrscheinlich ungemütlich. Shit.
Es galt die Situation zu vermeiden, vor der er den Jungen gewarnt  hatte, und es wäre sein Ende jetzt hier einen längeren Kampf zu beginnen, und vermutlich auch das des Zivilisten. Und anders als ein Android konnte Bel auf etwas zurückgreifen, das eventuell doch noch helfen könnte – Instinkt und ein wenig Kutzschlussreaktion.

Bels Scans erfassten das näherkommende Problem, was es ihm erlaubte das Kommende passend zu timen. In Gedanken entschuldigte er sich vorab, und riss dann, als er für den Feind eventuell schon in Reich- und Sichtweite kam, den Jungen am Kragen von den Knien. Er wog zwar gut was, aber nicht zu viel um einige Schritte weiter geworfen zu werden. Bel setzte darauf, ihn so zu erschrecken dass er völlig ohne Absprache so reagierte wie gewollt: nämlich als würde er gerade tatsächlich angegriffen, letzten Endes fast egal ob man den Assassinen zu den Kiheda oder Scamaton einsortierte. Wenn er nicht wollte dass der überfreundliche Fliegenträger zum Mittäter wurde … musste Bel ihn zum Opfer machen. Blutergüsse heilten, es gab schlimmeres was aus dieser Begegnung werden könnte.
Als hätte er den näherkommenden Androiden nicht bemerkt, vermutlich einer der Späher die das Suchfeld eingrenzen sollten, setzte Bel dem menschlichen Körper nach, das Visier wieder geschlossen, Betty hatte den Weg aus ihrem Holster in seine Hand gefunden. Mit einem Schubs seines Stiefels beförderte er sein „Opfer“ auf den Rücken, pinnte es fest sodass sämtliches Zappeln nichts nützen würde. Die Mündung der Waffe richtete sich auf den Kopf des Jugendlichen.
Mit dem Aufheulen eines Warntons, zweifellos von dem Androiden der nun sogar einen Zahn zulegte, ruckte der Kopf des Cyborgs hoch, er knurrte und riss die Waffe hoch. Der Schuss, der sich dabei löste, war ebenfalls Absicht, mochte aber wie Pech aussehen dass die Kugel sich nur eine Haaresbreite neben der Schläfe des Kellners in den Asphalt des Bodens bohrte, kleinere Splitter verteilend, doch schwerere Verletzungen waren quasi ausgeschlossen. Stattdessen eröffnete er das Feuer auf den ungebetenen Gast, dessen Scanner hektisch blinkten – hoffentlich reichte das, damit man den Krümel nicht als den unvoreingenommenen Kollaboranten sah, als der er sich gezeigt hatte, sondern als Opfer. Nicht optimal, aber besser als alle Alternativen.
Unter dem Feuer von zwei Kugeln in der Sekunde musste der Androide sich zurückziehen, kontaktierte vermutlich die Armada. Und diesen Moment nutzte Bel zu verschwinden. Der Stiefel löste sich von dem Brustkorb des Sterblichen, stets kaum genug Druck ausübend um ihn unten zu halten, nicht mehr, nicht weniger, und mit zwei langen Sätzen war er fort. Es würde noch lange dauern, wirklich und zuverlässig alle Verfolger und Trackingsysteme abzuschütteln, doch jetzt konnte er sich ohnehin nur noch um die Errettung seiner eigenen Haut kümmern. Sorry Kleiner.
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Cifer

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BeitragThema: Re: Persona Non Grata   Mo Jul 10, 2017 12:06 am

Seth kam nicht drum herum leicht, aber dennoch freudig, zu lächeln. Es war schon komisch - trotz dieser mehr als nicht alltäglichen Situation fühlte sich die Konversation mit dem Scamaton äußert angenehm an. ,,Ja, dass stimmt wohl", setzte er weiterhin lächelnd an, senkte aber leicht den Blick, da er dabei nachdachte. ,,Wobei es anzunehmen wäre, dass in dieser Gegend auch in niedrigeren Etablissements eine gewisse Überwachung von statten ist." Einen Augenblick schwieg er, ehe sein Blick wieder hinauf zum Größeren glitt. Mit einem einem belustigten Unterton in der Stimme sprach er schließlich: ,,Und schließlich schulde ich Ihnen noch einen Drink. Ich hatte ja vorhin keinen für sie dabei." Sollte die Interpretation nun falsch sein, von dem was der Größere gesagt hat, würde es dem Blondschopf schon sehr peinlich sein. Denn hatte er aus den Worten eine indirekte Einladung herausgehört. Da er sich mit Einladungen und sowas nicht auskannte, war er sich nicht sicher. Doch würde ihm das Glück schon hold sein. Nun ja. Für wenige Augenblicke zumindest. . .

Keuchend kauerte er am Boden und wusste einen Moment nicht, wo oben und unten ist, so schwindelig wurde ihm. Nach einigen tiefen Ein- und Ausatmern schien sich der Schmerz allmählich zu legen. Doch war das Unverhoffte schon viel zu nahe. ,,H-hau ab. . .!", bekam er keuchend heraus. Bald würden die Raitas hier sein. In wenigen Sekunden. Doch dies schien dem Brünetten mehr als bewusst zu sein. Den diese Taten die nun folgten, diese hätte Seth nicht in einer Millionen Jahre vorausgesehen. In dem Moment, wo er am Kragen hochgezogen wurde, schnürrte der Kragen ihm kurz sämtliche Luft ab, wodurch er nur ein trockenes und irritertes Husten hervorbrachte. Was vor sich ging, vermag er zunächst nicht realisieren. Einige Meter durch die Luft fliegend, kam er anschließend grob landend auf der Seite auf, was ihm einen stummen Schrei entlockte. Vollkommen verkrampft lag er da, doch schon folgte die nächste Tat des Cyborgs. Auf dem Rücken blickte er mehr als erschrocken in das Gesicht über sich. Angst und Verwirrung waren ebenfalls vertreten. Wo er die Waffe genau vor seinen Augen sah, schien alles um ihn herum zu erstarren. In diesem Moment hatte er solche Angst, wie nie zuvor.

Kalter Schweiß bildete sich auf seiner Stirn und in ihm schien sich alles zusammen zu ziehen. Den Blick starr auf das Visier gerichtet. ,,S-Sir", brachte er nur zögern heraus. Es war bestimmt mehr als deutlich zu vernehmen, dass der Junge nicht verstand. All das. Er konnte sich keinen Reim draus machen. Doch schreckte er wieder zusammen, wo der Schuss, mitsamt Bodensplitter ereignete. Kleine Asphaltsplitter schossen an seinem Gesicht vorbei, hinterließen kleine Kratzer an Wangen und Schläfe. Zwar nichts drastisches, doch kniff er automatisch seine Augen zusammen. Aus Reflex. Wo die Laute des Gefechtes erklang, zwang sein Unterbewusst sein förmlich, nicht hinzusehen. Bevor er was sah, was sein liebes Wesen vollends verstören könnte.

Erst wo der Druck auf dem Körper nachließ, wagten sich die bernsteinfarbenen Augen wieder zu öffnen. Gerade noch vermag er gesehen haben, wie der Größere mit einer gewissen Eleganz verschwand. Vollkommen perplex lag Seth so da, unfähig sich zu rühren oder zu denken. Auch nicht, als mehrere Androiden und Cyborgs eintraten, alles untersuchend und dem Cyborg verfolgend. Erst als sich ein Polizist zuwand und aufhalf, begann er langsam zu realisieren. Doch spielte sich für ihn noch alles langsam ab. Während der Polizist Seth vernahm, ging er nochmal alles gedanklich durch. Ihm wurde es nun klar - der Ältere hatte ihm echt das Leben gerettet. Auch, wenn ihm sein Körper wie Hölle schmerzte und er ziemlich mitgenommen aussah, so war er diesem mehr als dankbar. Er musste sogar zugeben. . . er war mehr als glücklich über das, was geschehen war.

Dem Raitas hatte er ganz normal seine Identität preisgegeben und sichtlich die Situation geschildert. Aber natürlich verdreht. Anscheinend wurde ihm Glauben geschenkt - zum Glück -, auch wenn alles etwas verworren klang. Es wurde so eingetragen, dass Seth noch unter sichtlichem Schock stand - und an sein keine Gefahr darstellte. Den wurde er auch untersucht, überprüft und da alles in Ordnung war, schrieb man diese Stelle wohl schnell ab.
Sich so anfühlend, als würde er schweben, trat er nach der ganzen Prozedur schließlich den Heimweg an. Die Aufregung ihn im war immer noch da, schien durch seine ganzen Adern zu strömen. Musste seltsam aussehen, wie ein junger Mann, der offensichtlich zerdrescht wurde, putzmunter lächelnd durch die Straßen ging. Aber er konnte dagegen einfach nichts machen. Dieses Treffen hatte ihn einfach nur durch und durch fasziniert und aufgekratzt. Wer wusste schon, was ihm das noch bringen würde? Diesen Tag würde er Aufjedenfall niemals vergessen, da war er sich sicher.

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Beleth

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BeitragThema: Re: Persona Non Grata   Fr Jul 14, 2017 11:55 pm

Es war sicherlich nicht die angenehmste aller Varianten, die Bel wählte um das geradewegs auf sie zu steuernde Dilemma abzuwenden, aber doch die erfolgversprechendste – zumindest für den Jungen. Zu gerne hätte er das Angebot angenommen, sich nach dem Aufruhr jetzt einfach einen Scotch zu gönnen und ein wenig zu tun als ginge ihn das alles nichts an, vielleicht entspannte der Blondschopf sich dann auch wieder. Aber nein, wenn es ums nackte Überleben ging – von beiden, wohlgemerkt – mussten etwas andere Mittel her, auch unter dem Risiko dem Jungen den Schock seines Lebens zu verpassen. Besagtes Leben würde immerhin weitergehen, wenn es so klappte wie er dachte.
Der Cyborg konnte nicht groß darauf achten, wie viel Schaden er tatsächlich anrichtete, wenn man durch die Gegend geworfen, festgepinnt und dann fast erschossen wurde, könnte mental und körperlich so einiges zusammenkommen. Doch er war sich sicher, dass der Junge lebte, als er sich selbst unter Dauerfeuer in Sicherheit brachte oder wenigstens auf die Flucht begab.

Dauerte sage und schreibe anderthalb Stunden, und kostete Bel fast sämtliche Magazine, das Hauptviertel zu verlassen und jeden Verfolger und jede Drohne abzuschütteln, nur marginale Beschädigungen waren zu verzeichnen und alsbald kam er auch sicher unter. Zum Hauptquartier zurück zu kehren war zu gefährlich, wenn er sich nicht absolut sicher sein konnte dass irgendwelche Tracker noch auf seiner Fährte waren.
Also wartete das bis zum Folgetag, wo die Beschädigungen bestmöglich repariert und einige kleinere Verletzungen versorgt waren – zwei gebrochene Rippen von einem an der Weste abprallenden Geschoss, was die künstliche Lunge aber nicht beschädigt hatte, hie und da eine Prellung, ein paar Schrammen. Ging ihm damit vermutlich noch besser als dem Blondschopf, an den er den Abend noch ein paar Mal gedacht hatte, bis die Sedierung dann endlich wirkte. Und dann ging es ins HQ, die Platine abgeben, Bericht erstatten, sich etwas ausruhen. Letzten Endes würde es anderthalb Wochen dauern, bis alle Spuren so weit bereinigt waren, dass Bel den Hauptbezirk wieder betreten konnte ohne dass jeder dahergelaufene Raitas sofort das Feuer eröffnete.

Und diesmal nahm er die Vordertür. Es war kein beruflich motivierter Ausflug, wenngleich immernoch saugefährlich wenn man rein zufällig dem Widerstand angehörte. Die Bewaffnung hielt sich in Grenzen, kein Holster, keine vollgestopften Manteltaschen, er war hier nur als ganz normaler Besucher. Wenn Bel eins konnte, dann sich benehmen als wäre nichts gewesen. Und diesmal suchte er das Lokal auf, dessen Hinterhof er ja schon kennen gelernt hatte, und durfte auch tatsächlich eintreten. Hatte Vorteile, aus einer Bauserie der Raitas zu stammen.
Er sah sich nicht allzu auffällig um, suchte nur so weit es mit seinen auf geringem Level betriebenen Scans eben klappte, und ließ sich dann an der Bar nieder. Letzten Endes konnte er sich nicht sicher sein, ob der Kleine heute Abend überhaupt arbeitete, es war nur ein Versuch und die Chancen standen gut, heute zumindest ohne völlige Erschöpfung und verbratenen Kugeln wieder gehen zu können.
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Cifer

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BeitragThema: Re: Persona Non Grata   Di Jul 25, 2017 8:12 pm

Auch wenn es nun einige Tage her war, seit der Begegnung mit dem Widerständler, musste der Blondhaarige immer wieder daran denken. Und immer wieder stieg dann neue Aufregung in ihm auf, so, als würde der Moment immer noch anhalten. Er würde es nicht fassen, dass dies geschehen war, wenn ihm die Nachweise nicht jedesmal vor Augen geführt wurde, sobald er in einen Spiegel blickte. Am Rücken, seiner linken Seite und Arm befanden sich mehrere Blutergüsse und Schrammen, was wohl der Landung zu verdanken war. Ebenso einen Bluterguss auf dem Brustkorb, auf dem sich der Cyborg ja abgestützt hatte. Durch die am-Kragen-pack-Action hatte er ein großes und längliches Hämatom, welches noch tief ins Fleisch ging und gerne noch bei Kopfbewegungen schmerzte. An der Schläfe und Wange musste er genäht werden, ansonsten hatte er nichts davongetragen. Somit nichts schwerwiegendes. Von den Verletzungen sah man eigentlich nichts, wenn er normal gekleidet war. Legendlich einige Wundnahtstreifen an Wange und Schläfen und einen Verband an der linken Hand.

Das es nicht mehr sichtbares war, darüber konnte er sich nur glücklich schätzen. Sonst hätte es Probleme geben können, in seinem Job. Denn hätte sein Boss ihn niemals arbeiten lassen, wenn man zu viel erkennen konnte. Dieses bisschen konnte er. . . erdulden. Okay, jemand konnte seine Arbeit nicht nachgehen, weshalb Seth die Schicht übernehmen sollte. Die Tatsache ignorierend, dass ein Chef ein Arsch ist, - sowas würde der liebe Junge auch niemals denken - hatte er sich dann fröhlich zu seiner abendlichen Schicht begeben. Davor war er nochmals beim Arzt gewesen, um sich durchchecken zu lassen, auf Geheiß seines Vaters. Dieser hatte natürlich von dem Zwischenfall erfahren und machte sich große Sorgen um seinen Sohn. Aber die Tatsache, dass er die Prozedur neben den Verletzungen gut überstanden hatte, freute beide sehr.

In seiner schicken Kellneruniform hetzte er schon den ganzen Abend durch das Lokal. Er musste die ganze Zeit zwischen Gästen und der Küche hin und her zwitschen - sie waren deutlich unterbesetzt. Trotz alle dem - und dem schmerzenden Nacken - verlor er keineswegs sein liebevolles Lächeln. Da er sich gerade im hinteren Teil des Lokal's befand, bekam er nicht mit, wie jemand gewisses in das Etablissement betrat. Gerade kam er aus dem hinteren Teil nach vorne, in die Nähe der Bar, als aus der Küche ein: ,,Seth! Das Essen für Tisch 3, 11 und 23 ist fertig!", kam. Sofort hastete der junge Mann zur Essensausgabe, nahm alle Teller in die Hand und auf die Arme. Als er sich wieder dem Inneren zuwand, fiel sein Blick automatisch auf die Bar, wo er ein vertrautes Gesicht vernahm. Sofort strahlte sein Gesicht und Freude stieg in ihm auf. Schnell brachte er das Essen an die richtigen Tische und wollte zum Cyborg eilen, wurde aber davon aufgehalten, dass er einen Tisch abkassieren und abräumen musste.

In der Zeit wand sich der Barkeeper zum Neuankömmling. Barkeeperlike stand er da und polierte ein Glas. ,,Was kann ich Ihnen bringen, Sir?" Dabei natürlich mit respektvollen und höflichen Klang.
Sobald der Brünette bestellen würde, eilte Seth, der wieder einige Tische bedienen musste, schnell zur Bar und blieb etwas atemlos neben dem Sitzenden stehen. ,,Der Drink des Herrn geht auf mich!", lächelte er, leicht außer Atem. Der Barkeeper nahm dies so hin und schenkte den Drink ein.

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Beleth

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BeitragThema: Re: Persona Non Grata   So Jul 30, 2017 10:11 pm

Ein gewisses ungutes Gefühl blieb, wiederum ein Besuch in der High-City zu wagen, diesmal mit weniger Bewaffnung – das war einerseits weniger schön, da die Wehrlosigkeit ihm nicht gefiel, und andererseits besser so, weil er dann weniger Gefahr lief entdeckt zu werden. Wirklich sicher jedoch war er nie, hier nicht und nirgendwo sonst, und von daher war das kein Grund gewesen, sich nicht hier einzufinden. Wieso, das wusste er selbst nicht so genau, allerdings reichte schon sicherstellen zu wollen, dass der Kleine nicht eventuell doch angekettet in irgendeinem Raitas-Gefängnis bis zum letzten Atemzug verschimmelte. Dieser Ort war der einzige, an dem es Sinn machte mit der Suche zu beginnen, zumindest bevor man die Hacker darauf ansetzte ihn zu finden. Zum Glück unnötige Gedanken.
Das Lokal war gut besucht und wenn er nicht sowieso an die Bar gewollt hätte, wäre es wohl schwieriger gewesen einen Sitzplatz zu finden. Hunger hatte er auch keinen, auch wenn es durchaus lecker roch was so in die Runde gegeben und getragen wurde. Die Ruhe blieb, denn auch wenn das Visier längst weg und seine 'normalen' Augen als einzige zur Verfügung standen. Der blonde Schlaks war ja nun nicht zu übersehen und wirkte auch recht fit, so wie er herumwuselte. Nun, eigentlich hastete, wo Bel relativ froh war selbst in einer, nun, gemeinnützigen Organisation beschäftigt zu sein, wo sich jeder sein Essen selber holte. Nun gut, so wie es aussah, hatte der Junge gut zu tun, weshalb Bel sich freudig darauf einstellte, ein bisschen vorher in noblem Ambiente zu bechern.

Und prompt rannte der Junge vorbei und brachte ihn dazu, dieses Vorhaben zu überdenken. Immerhin ackerte der Junge gerade, um das Geld zu verdienen, das ein guter Scotch locker kosten würde. Nun gut, einen vielleicht. Bel warf dem Menschen einen Seitenblick zu, der keinen Aufschluss über ihre Beziehung geben würde, und sah dann zu dem Barkeeper zurück.
"Scotch.", brummte er und neigte sich vor, "Und nicht den Teuersten. Ich verdien glaub etwas mehr als der Kleine."
Und trotzdem, das Gesöff schmeckte gut, welches man ihm hinstellte und an dem sofort genippt wurde. Er hatte Zeit mitgebracht, Zeit genug zu warten, auch wenn Bel das nicht müsste – immerhin hatte er, was er wollte. Der Junge lebte, zwar etwas verschrammt noch, aber durchaus intakt. Aber Bel konnte sich auch denken, dass er Fragen hatte, noch Worte austauschen wollte, dass der Fall noch nicht geschlossen war. Zumindest das wollte er noch sicherstellen, und wenn der Cyborg sich irrte, nun ... der Alk war gut. Nur fragen, ob man hier drin rauchen durfte müsste er noch.
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BeitragThema: Re: Persona Non Grata   Mi Aug 02, 2017 9:41 pm

Zu gerne würde Seth sich zu dem Älteren setzten und munter mit ihm reden. So vieles wollte er von diesem wissen und erfahren. Doch ging dies nicht so einfach. Erstens, er war bei der Arbeit. Würde er sich mitten in der Schicht hinsetzen und reden, würde man ihm rauswerfen. Zudem durfte er bestimmt nicht früher Feierabend machen. Andererseits, war wirklich die Frage, ob der Mann ihm seine Fragen beantworten würde. Schließlich war er sicher im Geheimen unterwegs. Wobei - dieser schien auch mit ihm reden zu wollen. Sonst wäre er wohl kaum hierher gekommen. Da kam ihm die Frage auf, weshalb genau. Wollte er etwas von ihm wissen? Oder ihn drum bitten, keinem ein Sterbenswörtchen über das vergangene zu sagen? Oder ihn, falls er ihn mal sah, zu ignorieren, so, als ob nichts geschehen war? Viele Fragen purzelten durch seinen Kopf. Schlugen immer wieder weitere auf. Neugierig betrachtete er den Mann, welcher trotz das er saß, nicht viel kleiner war, als er selbst. ,,Einen richtigen wird mein Geldbeutel wohl aushalten können", wurde leicht geschmunzelt. Doch schien der billigere Scotch dem Brünetten auch zu schmecken, was Seth freute.

Weiterhin voller Neugierde betrachtete er ihn einfach nur und dachte an den Tag zurück, welcher sich vor anderthalb Wochen abgespielt hatte. Dachte daran, wie er voller Aufregung zusammen angekommen war und diesen aufregenden Tag, wie so immer, in seinem Tagebuch festgehalten hatte. Normal umfasste ein Text zum Tagesablauf um die ein bis zwei Seiten - doch da hatte er bald nicht aufhören können zu schreiben. Immer wieder hatte er zwischendrin seine Gedankenzüge dazu geschrieben. Warum das wohl passiert war. Wer dieser Mann sein könnte. Das Sein hinter Scamaton und Raitas. Warum er das Glück hatte, in diesen Moment hineingetreten war.
Auch diese Fragen schwebten immer noch in seinem Hinterkopf herum. Leicht schüttelte er den Kopf, um sich wieder zu fangen. Strahlend wand er sich dem Widerständler zu und erhob die Stimme: ,,Kann ich Ihnen etwa brin-", als ein lautes: ,,SETH!", aus der Küche erklang. Sofort stand er kerzengerade und blickte kurz über die Schulter, ehe er dem Cyborg noch kurz zulächelte. ,,Bitte entschuldigen Sie mich, ich bin sofort wieder da." Mit diesen Worten wuselte er in die Küche, wo er erst zum Abwasch verdonnert wurde, wo trotz Schutzhandschuhe sein Verband was nass wurde. Schon ärgerlich. Anschließend musste er wieder Tische bedienen, abkassieren und Tische abräumen verdonnert. Es würde etwas dauern, bis er sich seinem Gast wieder zuwenden konnte.

Derweil fuchtelte der Barkeeper unter dem Tresen eine kleine Holzschachtel hervor, dessen Inhalt er dem erstaunlichen Cyborg offenbarte. ,,Möchten Sie eine haben, Sir?" Gute Zigarren lagen feinsäuberlich in der Schachtel sortiert. Diese bat er ihm nur an, da er diesen offensichtlich für einen Raitas hielt. Es verstrich noch einige Zeit, wo der Junge von Tisch zu Tisch, von Raum zu Raum hetzte, ehe er wieder zur Bar hetzte. Still in der Hoffnung, der Größere saß noch da.

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BeitragThema: Re: Persona Non Grata   Fr Aug 04, 2017 11:02 pm

Verständlich, dass nicht alles stehen und liegen bleiben konnte, nur weil Bel sich außer der Reihe blicken ließ – jedenfalls wäre es sehr auffällig, wenn sie es täten. Keine gute Idee, hatte Bel doch gerade erst die Gewissheit erlangt dass der Junge nicht zu viel negative Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, und unbehelligt hatte weitermachen können und dürfen wie zuvor. Er könnte sich aber durchaus schlechtere Orte vorstellen, um zu warten bis jemand Zeit, Pause oder Feierabend hatte, war ja auch am Wochenende gekommen weil da nun mal in der Regel jede günstige Arbeitskraft gebraucht wurde (gerade in teuren Kreisen). Und bingo, zumindest die gute Laune schien der Knabe nicht verloren zu haben auch wenn er wohl keine Ahnung hatte, welches Alkoholkonsumpotential gerade an der Theke Platz genommen hatte.
Doch gut, dann würde er sich einen ordentlichen Drink genehmigen und dem Jungen offen lassen, welchen von der Liste er würde zahlen wollen. Bis der Laden schloss könnte Bel sich damit nämlich sehr gut über Wasser halten, zu Essen gab es hier auch wenn er denn mal zum Bestellen kam, also alles in allem kein schlechter Ort. Gehörte halt den Raitas, und zumindest einem von ihnen hatte er vielleicht zeigen können, wie real diese Auseinandersetzung war, von der man gerade in dieser besonderen High-City tat, als gäbe es sie nicht.

Seth hieß er also, der Arme der nicht mal seinen Satz beenden durfte einem Kunden gegenüber. Kurz ging Bel durch den Kopf, dass man in so einer Küche sicher viel Schaden anrichten konnte, Stichwort Rattengift im Essen ... doch das Problem war, dass es vor allem Menschen waren, die Nahrung brauchten. Und ein Mensch gehörte niemals zur Raitas, war vielleicht dessen Familie, Arbeiter, Kellner, was auch immer, doch niemals war das Grund ihnen zu schaden. Ein Mensch konnte sich selbst ändern, eine Maschine nicht.
"Kein Stress, ich lauf nicht weg.", gab er zu verstehen dass sie durchaus später noch Zeit hatten, er zumindest, und ewig gingen Schichten für Menschen ja hoffentlich nicht.
Bis dahin aber schien man sich gut kümmern zu wollen, allerdings rangen diese klobigen Rauchstangen da Bel nicht gerade die pure Begeisterung ab. Eigentlich wollte er dem Kerl sagen, dass er das gern stecken lassen konnte und er noch kein alter Sack sei, wusste aber dass er sein Vokabular anpassen musste, wenn man ihm abkaufen sollte ein Raitas nach Dienstschluss auf Sauftour zu sein.
"Nein danke.", meinte er und kramte stattdessen eine seiner eigenen Zigaretten aus der Manteltasche. Den besagten Mantel knöpfte er danach auch auf, trug heute auch keine Protektoren sondern ein schlichtes schwarzes Shirt, unter dem sich die Schienen und Anschlüsse seiner Arme andeutungsweise abzeichnen. Das Angebot den Mantel abgenommen zu kriegen lehnte er aber ab, behielt ihn um die Schultern, rauchte, trank, alles wunderbar für heute.
"Sie kennen unseren Aushilfskellner schon?", fragte der Barkeeper unverfänglich, war sonst ja niemand der sich statt an einen Tisch an die Theke gesetzt hatte bislang. Sein Job, nachzufragen, und Bel überlegte sich etwas, das wenig Material für Fehler bot.
"Entfernter Bekannter der Familie.", brummte er, "Wollte nur mal gucken wo der Kleine schuften darf ... geht das hier jeden Abend so zu, oder nur jetzt weil er verletzt ist?"
Angriff war die beste Verteidigung, und anscheinend war ihm das unangenehm. Der Barkeeper wich seinem Blick aus, räusperte sich und schenkte Scotch nach. Servicegedanke hin oder her, aber in Ordnung war es vermutlich nicht einen Verletzten so herumzuscheuchen. Bel beließ es dabei, wusste aber auch sich so zu geben als könnte es tatsächlich Stress geben, wenn eventuell über Ecken eventuell durch stille Post schlechtes Licht geworfen würde ... dass Seths Vater ja durchaus etwas zu sagen hatte, wusste Bel ja nicht, aber wenn er schon in teurer Modifikation hier herumsaß, lag die Vermutung ja nahe, welchen Rängen er angehörte. War nur völlig falsche Schiene, und lediglich der Junge hatte einen blassen Schimmer, wer er wirklich war.
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BeitragThema: Re: Persona Non Grata   Mo Aug 07, 2017 3:06 am

Davon, dass die Arbeitskollegen vom Blonden diesen nicht für voll nahmen und sichtlich mit seiner Freundlichkeit ausnutzten, hatte er keine Ahnung. Er war einfach so glücklich darüber, hier in diesem Lokal arbeiten zu dürfen. Es machte ihm einfach Spaß, mit den verschiedenen Kunden zu reden - auch wenn man nicht groß Plaudern konnte - und die lächelnden Gesichter zu sehen, wenn ihnen das Essen schmeckte. Vor allem bei Kindern fand er es schön. Wobei diese nur tagsüber ins Lokal durften, da hier abends immer kultivierte Leute verkehrten. Und diese konnten manchmal mehr als anstrengend sein. Zu diesen wurde auch immer nur er geschickt - was ihm natürlich nicht bewusst war. So, als wurde nur drauf gewartet, als würde er in ein Fettnäpfchen treten. Was dies betraf, war er ein richtiger Naivling. Natürlich gab es auch mal unangenehme Situationen. Aber das war im Arbeitsleben wohl mehr als normal, dachte er sich zumindest.

,,So. . . kann ich Ihnen nun etwas bringen?", lächelte Seth, wo er wieder an der Bar ankam. Dezent außer Atem würde er sich am liebsten selbst erstmal hinsetzten, doch verbat ihm dies seine Pflicht. Er war froh gewesen, als er gesehen hatte, dass der Mann noch anwesend war. Dieser wirkte auch so, als hätte er sich erstmal häuslich niedergelassen und würde nicht so schnell gehen. Ob er wirklich auf Seth zu warten schien? Jedenfalls freute es ihn sehr. Da er förmlich spürte, wie ihm überwachende Blicke im Nacken saßen, stand er wie immer stramm und lächelte freundlich, das Tagesangebot runter am Rattern: ,,Wenn ich Ihnen unser heutiges Angebot mitteilen darf. Heute bieten wir Ihnen mit Freuden geschmorrte Lammsrouladen an, mit einem Couscoussalat. Dazu einen Rotwein mit eleganten, feinfruchtigen Geschmack. Eine Empfehlung des Küchenchefs." Normal war es nicht üblich, dass man die Gäste an der Bar annervte. Schließlich gingen sie dahin, um ihre Ruhe zu haben. Doch irgendwie wurde hier immer drauf bestanden. . .

Über die Tatsache, dass der Cyborg ordentlich becherte und rauschte, musste der Bernsteinäugige schmunzeln. Schließlich hatte dieser bei ihrer ersten Begegnung geraucht und davon gesprochen, dass er einen Drink möchte. Er konnte sich den brennenden Punkt der Zigarette, in der Dunkelheit, noch bildlich vor Augen rufen. Bei erneutem mustern fiel ihm jetzt erst auf, dass man nun deutlicher sehen konnte, dass es sich hier wirklich um einen fortgeschrittenen Cyborg handelte. Doch zwang er sich, nicht bewundernswert zu starren und nachzufragen. Schließlich musste er eine gewisse Etikette beibehalten. Und diese musste auch beibehalten werden, auch, als er zum gefühlt tausendsten Mal heute vom Gast weggerufen wurde. ,,Kellner! Wo bleibt der Wein?!" Wie vom Schlag getroffen sah er hinter sich, zu einem Tisch, wo ein reicher Geschäftsmann, mit einer bestimmt dreißig Jahren jüngeren Lady saß und sich lauthals beklagte. Den Tisch dieser hatte er nicht bedient. Offensichtlich hatte der andere Kellner diese vergessen. Leicht musste Seth schlucken.

Kurz lächelte er vielsagend dem Widerständler zu, ehe er sich zum Tisch begab. Dort sah er auch, dass der Wein dort bereits stand. Der feine Herr wollte sich wohl einfach nur nicht selbst nachschütten. . . ,,Sofort, Sir." - ,,Wurde auch mal Zeit!", kam es lauter als nötig zurück. ,,Bitte verzeihen Sie die Umstände, Sir", lächelte er freundlich und verneigte sich leicht. Daraufhin ertönte nur ein abwertendes Schnaufen und der Herr widmete sich wieder. . . seiner Begleiterin. Erzählte ihr, wie erfolgreich sein letzter Deal doch war und das die Käufer immer dümmer wurden. Genauso wie die Frau, die darauf nur dümmlich lachte. Aber nun gut. Der Junge griff nach der Flasche und öffnete sie, schenkte daraufhin den Wein ein. In diesem Lokal tat man dies, indem man die Flasche ganz am Boden packte. Was auch immer sehr gut ankam. Doch war Seth für diese Arbeit heute echt nicht geschaffen, so wie er nun zu seinem Wehleiden erfahren musste. Über die Schicht hatte er gemerkt, wie das Schmerzmittel, welches er auf Geheiß seines Arztes noch nehmen musste, nachließ. Dadurch und durch die starke Beanspruchung seiner Hand, fing diese an zu schmerzen und somit auch an zu zittern. Es kam wie es kommen musste und er kleckerte. Geradewegs auf die Hose des Mannes.

Dieser sprang natürlich überdramatisch auf und schrie, so, als hätte man gerade Säure auf ihn gekippt. ,,ALSO WIRKLICH! Was kannst Du eigentlich, Du dummer Junge?! Wie inkompetent ist das Personal hier eigentlich?!" - ,,E-es tut mir sehr Leid, Sir! Ich mache dies sofort sauber!" Nach einer Serviette greifend, wollte er den roten Fleck auf den bestimmt fünfstellig kostenden weißen Anzug säubern, da stieß der Mann den Jungen von sich weg. ,,Pack mich nicht an, Gör!" Während er auf seinem Hintern landete und sich mit den Armen abstützte, der Mann halb verfiel und die Frau nörgelte, kam der liebe Küchenchef durch den Lärm heraus. ,,Feuern sollte man Dich! Dumme kleine Jungen sollte man hier gar nicht erst reinlassen!" Dieser realisierte sofort die Lage und kam hergeeilt und kroch dem Mann direkt in den Hintern. Dass alles auf's Ging, Anzugkosten fielen auf Seth, gratis Nachtisch, Wein und so weiter. Wo er förmlich sein Gehalt vor sich sterben sah, beruhigten sich die Gäste wieder. ,,Der Junge wird natürlich Konsequenzen davontragen", schloss der Chef ab, was den Mann zufriedenstellte und den Blonden am Kragen auf die Beine zog. ,,Du kannst was erleben!", knurrte dieser ihm leise zu, während er nach Luft ragte und ihm Tränen in die Augen stiegen, da dies ziemlich an seiner Nackenverletzung zwiebelte. Hinter dem Älteren hinterher stolpernd, ging es nun Richtung Küche.

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Beleth

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BeitragThema: Re: Persona Non Grata   Mo Aug 07, 2017 4:40 pm

Traurig, dass unter Raitas derartig verachtenswertes Benehmen an der Tagesordnung zu stehen schien, wenn man sich mit Ellenbogen und auf dem Rücken anderer durchschlug. Sollte noch mal einer sagen, dass die Scamaton hier die Unzivilisierten darstellten. Bel war ja nicht blind oder blöd, er sah durchaus, dass der Junge kein Kellner sondern Mädchen für Alles darstellte und sich trotzdem drüber freute, vermutlich hatte er wirklich einen kleinen Knall. Würde auch erklären, warum er so offen einem eigentlichen Feind gegenüber war. Ob das Bels Problem war? Eigentlich nicht, aber er war nicht Scamaton geworden um zuzusehen, wie im Namen des Creators Erniedrigung, Ausbeutung und Niedertracht herrschte. Er hatte nur eigentlich gedacht, dass das dem Fußvolk gegenüber galt, nicht unbedingt den eigenen Reihen. Doch noch gab es keinen Grund sich einzumischen.
Ein wenig seltsam war es dennoch wie förmlich steif der junge Mann neben ihm stand und seinen Text freudig aufsagte, hatte ihre letzte Begegnung doch einen etwas anderen Charakter gehabt. Klang zwar lecker was er da vorschlug, aber Bel wusste dass er für den gleichen Preis später ein drei Gänge Menü für eine fünfköpfige Familie kaufen könnte.
"Nee danke, Kleiner. Bin gut versorgt, und will auch nichts essen von jemandem der in der Küche so rumschreit dass sicher überall Sabber hinfliegt.", sagte er, letzteres in verschwörerisch leisem Ton (wobei es ihm scheißegal war, ob der Barkeeper das mithören konnte). Sah aus als könnte der Krümel ein bisschen Spaß zwischendurch gebrauchen, doch da ging es auch schon weiter zu irgendwelchen Snobs. Bei den Vergessenen, wie er sie hasste.

Bel hatte sich eigentlich nur kurz umgesehen um zu sehen, wer da nach Wein bläkte, blieb aber doch mit der Aufmerksamkeit dort hängen in Anbetracht der folgenden Szene. Gut, man provozierte es vielleicht, wenn man im weißen Anzug einen verletzten Kellner rief um sich Rotwein einschenken zu lassen, aber am Liebsten hätte Bel den Kerl vom Fleck weg erschossen. Schade dass er Betty nicht dabei hatte. Aber gut, tödliche Ruhe war ihm nicht fremd, er schwieg und sah es sich an – lediglich sein Visier war mittlerweile wieder zu, verhüllte seinen wenig begeisterten Blick und beunruhigte damit zumindest schon mal den Barkeeper. Er stand auf, als der Koch mit dem Jungen gen Küche stapfte, hielt sie zwar nicht auf aber zwang den Mann, ihm auszuweichen. Bel ging in die Gegenrichtung, zu dem Tisch an dem ein trotz Genugtuung noch vor sich hin nölender Schwerreicher saß. Doch er wandte sich nicht an diesen, sondern seine wohl etwas schlicht gestrickte und recht oberflächliche Begleitung.
"Tut mir sehr leid dass Sie dieses überaus ehrlose Verhalten erdulden mussten. Möchten Sie den Abend lieber mit jemandem verbringen, der es erstens schafft, Ihnen eigenständig Wein einzuschenken, sondern auch genug Geld hat um eine läppische Reinigung selber zu bezahlen?", gab er sich tatsächlich Mühe ein bisschen vor sich hin zu schnurren, was zwar nicht ganz klappte, aber wohl seine Wirkung nicht verfehlte. Tatsächlich blinzelte sie verdutzt, während der weiß Beanzugte puterrot anlief ... und dann einsah dass man einem vermeintlichen, vernarbten Raitas-Cyborg nicht mit Gekeife kommen brauchte. Das Weibchen schien genug Kitschfilme gesehen zu haben, um langsam zu kapieren, welcher der beiden anwesenden sich wie ein zeterndes Waschweib aufführte und wer tatsächlich imstande war Weiber auf Pferde zu hieven, ein vorwurfsvoller Blick zu Mr. Superkohle genügte und dieser knickte wohl ein. Und bemühte sich dann zum Glück um seine Begleitung, denn nachher hätte die echt noch mit Bel mitgewollt – der hatte aber zu tun. Noch während er sich der Küche zuwandte, verließ das Paar das Restaurant ohne irgendeine Adresse zurückzulassen, es war zumindest zu hoffen, dass die Angelegenheit geregelt war. Eine fehlte noch.

Es hatte nicht lange gedauert, vielleicht eine Minute, seit der Junge an ihm vorbei zur Küche gezerrt worden war, und der Assassine ließ sich auch nicht von dem Barkeeper aufhalten, denselben Weg einzuschlagen. Ihm völlig gleich, welche Szene er vorfinden würde, nun, fast, aber er betete für den Koch dass es keinen Grund lieferte, noch drastischere Maßnahmen zu ergreifen als sie jetzt schon in Umsetzung waren.
Den Barkeeper einfach abschüttelnd, der es gewagt hatte ihn am Arm zu fassen, surrte kurz ein elektisches Feld auf und brachte ein etwa handlanges Küchenmesser dazu, sich wie von allein in seine rechte Hand zu begeben. Mit dieser packte er ein Handgelenk des Koches, jeden Protest ignorierend, zwang diese auf die nächstgelegene Arbeitsplatte und stieß dann mit Wucht das Messer auf die Hand herab. Der Geräuschpegel stieg kurz, aber jeglicher Laut konnte nur vor Schreck, nicht vor Schmerz sein – die Klinge hatte sich bis zum Heft zwischen Zeige- und Mittelfinger des Mannes in das Holz der Platte gefressen, einen nur winzigen Ritz in der Haut dazwischen verursachend. Und er ließ auch nicht los, der Griff der mechanischen Hand eisern.
"Sag mir, Kumpel ...", knurrte er, "Wenn ich deine Hand durchbohre und danach anschreie, weil du keine vollen Pfannen mehr heben kannst ... fändest du das fair?"
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BeitragThema: Re: Persona Non Grata   Di Aug 08, 2017 4:00 am

Nichts davon ahnend, was sich außerhalb der Küche abspielte, hatte der Neunzehnjährige ganz andere Probleme. Er wusste nur, dass der Widerständler sich von seinem Platz an der Bar erhoben hatte. Denn war dieser an ihnen vorbei gegangen, dort hatte der Blonde dem Größeren noch ziemlich verzweifelt nachgesehen. Hatte dieser wohl nicht gesehen, denn wenige Sekunden später hatte er sich auf dem Küchenboden wiedergefunden, wenige Meter vor der Tür. Den Küchenchef vor sich herumtobend. So geladen hatte er diesen noch nie gesehen. War auch nie sein Wunsch gewesen.
Auch wenn er bereits auf dem Boden hockte, wurde er praktisch immer kleiner. Seine Hand auf dem Nacken am liegen, wo der Schorf der Wunde wieder abgegangen war und wieder fröhlich vor sich hinblutete. Doch zum Glück nicht allzu sehr. Es brannte einfach nur höllisch. Da vergaß er doch gleich den Schmerz in der Hand. Glück im Unglück. Jedoch war dies sein kleineres Problem. Den wirkte der Kerl vor sich, als hätte er gleich einen Tobsuchtanfall und wirkte dadurch gleich drei Köpfe größer als sonst. Dadurch rutschte er einfach nur am Boden zurück, bis er nicht mehr weiterkam. An der Wand neben der Tür lehnend, blickte er mit ängstlichen Blick zu seinem vermeintlichen Tod hinauf.

Es viel unzählige Male das Wort Nichtsnutz, inkompetent, Blödian, Schwachkopf und so weiter. Wie dieser in knapp einer Minute so viel quasseln konnte, grenzte echt an einen Weltrekord. ,,S-Sir, ich-" - ,,SCHWEIG, Du Trottel! Das war's nun endgültig! Erst bist Du letzte Woche plötzlich aus Deiner Schicht verschwunden, jetzt vergraulst Du einen unser wichtigsten Kunden!" - ,,S-Sir-", erhob Seth wieder zitternd seine Stimme. ,,DU BIST GEFEUERT! Pack Deine Sachen und versch-", wurde gebrüllt, die große - leicht behaarte - Hand wieder am Kragen wiederfindend. Wer weiß, was noch passiert wäre, hätte sich die Tür nicht geöffnet und der Retter der Jungfrau in Nöten wäre hineingeschritten. ,,Unbefugte haben hier keinen Zu-!", keifte der Küchenchef noch, bevor er sich auf der Theke wiederfand und alles andere als sanft behandelt wurde. Bei den Worten und der Tat des Cyborg's entwisch ihm sämtliche Farbe aus dem Gesicht - abgesehen von dem Grün, was sich um seine Nase sammelte - und von der Ausstrahlung her hatte er nun die Größe einer Maus. Am ganzen Körper schlotternd bekam er nur ein krächtziges: ,,N-nein", heraus.

Mit geweiteten Augen beobachtete Seth das Schauspiel vor sich. Passierte dies gerade wirklich? Er konnte es nicht fassen. Die Lage nicht ganz realisieren könnend, stolperte er auf seine Beine und hastete zum Älteren. Neben diesem blieb er stehen und griff nach der Cyborghand, die die des anderen beinahe zerdrückte. ,,N-nicht! Der Kerl ist es nicht wert", versuchte er so sicher wie möglich rauszubringen. Wobei er sich nun wirklich sicher war, dass der Küchenchef es zwar verdiente, aber es sich nicht lohnte, sich deswegen die Hände schmutzig zu machen. Von nahem sah er nun auch, dass das Messer nicht getroffen hatte. Wodurch ihm ein Stein vom Herzen viel. Denn hatte ihn der Anblick total geschockt. Zwar hatte er schon einiges gesehen - und selbst gespürt -, dennoch hatte ihn dies kurz das Blut gefrieren lassen. Zeigte wohl, dass sein Retter ein recht skrupelloser Kerl war. Doch wusste er nicht, ob ihn das mehr faszinierte, als abschreckte.

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Beleth

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BeitragThema: Re: Persona Non Grata   Di Aug 08, 2017 8:40 pm

Wäre reichlich ineffektiv, zwar in der Küche für Ordnung zu sorgen, aber den Brandherd draußen unbehelligt zu lassen, nur damit der Trubel da dann einfach weiterging. Musste nicht sein, außerdem war Bel sauer und das zeigte sich bei ihm in der Regel nicht durch lautes Krakeelen oder Unterzeichnen irgendwelcher Strafanträge. Er sollte eigentlich etwas vorsichtiger sein, nicht wieder so viel Aufmerksamkeit erregen, aber die Rolle als Raitas war nicht gerade seine Unglaubwürdigste. Niemand hier schien ein Problem mit der Behandlung des Jungen zu haben, weder Belegschaft noch Gäste scherten sich darum. War es in Ordnung, wenn einer litt zum Wohl von vielen? War es besser als dass viele litten, damit es einem gut ging? Nein, verdammt, die Antwort war nein. Es war unmöglich, nur eine Person leiden zu lassen. Familie, Freunde, die die noch Anstand und einen Funken Mitgefühl hatten, es betraf immer auch diese – nur wenige galten dazu nicht, Bel zum Beispiel, weil weder Familie noch Freunde übrig, und er pfiff drauf wie viele Leute sich um ihn sorgten, denn er konnte auf sich selber aufpassen. Und hatte es sich zur Aufgabe gemacht, das auch für andere zu tun die es nicht allein konnten. Und der Küchenchef hatte eben zufällig den Falschen gegriffen.

Das Geblöke war vielleicht sogar laut genug damit die Gäste es mitbekamen, allerdings war es Bel völlig egal, was gesagt wurde, der Tonfall reichte ihm schon und die vorgefundene Situation machte es nicht besser. Nicht nur der Knirps hätte in dieser Lage das schlimmste erwartet, auch Bel wertete sie als durchaus bedrohlich und drehte den wortwörtlichen Spieß um. Vielleicht etwas rabiat, ja, aber er war ein Vertreter von Denkzetteln. Fiesen Denkzetteln die ganz mies wehtun würden wie ein kleiner Schnitt an der Hand beim Zwiebelschneiden, heiße Pfannen tragen und Hände desinfizieren.  Subtilität war nicht Bels Stärke.
Das Visier geschlossen ließ er auch weiterhin nicht los, weder das sowieso bis Anschlag ins Holz gerammte Messer, noch den Arm des Mannes, der seine Hände gut gebrauchen konnte zum Arbeiten. Durch die dunklen Gläser sah man es nicht, aber es war zu erahnen, dass er den Mann anstarrte, bis dieser einknickte.
"Nein, Sir.", korrigierte er diesen scharf und ließ dann doch zu, dass die kräftemäßig nicht relevanten Finger des jungen Mannes, verletzt oder nicht, seine Hände lösten. Er ließ den Koch los, welcher immerhin Beistand im Barkeeper fand und dem Getuschel nach erzählte der brühwarm die Story mit dem Bekannten der Familie.
"Ich frag dich nur ein Mal, Kleiner – willst du wirklich weiter in einem Laden arbeiten, welcher sich auf Verletzte verlassen muss um zu laufen und dafür mit Undank zahlt?", fragte er diesen direkt, und egal wie die Antwort ausfiel, konnte das gleich vor Ort geklärt werden. Bel schnaubte, widerstand dem Drang eine Zigarette anzuzünden und schüttelte den Kopf.
"Schluss mit dem Unfug für heute, du blutest. Und wir haben uns gerade ja schon geeinigt, dass Köche und Kellner mit verletzten Händen nicht arbeiten können.", sagte er und warf einen Blick zu dem Koch – immerhin hatte man mittlerweile gemerkt dass die Gäste fast allein im Laden waren und der Barkeeper ging eilig wieder weg. Und der Koch schien zwar wenig begeistert, aber abgelenkt von der Tatsache dass die Kaninchenrouladen anbrannten.
"Hol deine Sachen, Feierabend für heute."
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BeitragThema: Re: Persona Non Grata   Fr Aug 11, 2017 7:43 pm

Vor dem Widerständler konnte man ja richtig Angst haben, wenn er so drauf war. Doch zeigte es wohl, dass der Mann zudem Stand, was er tat und keinerlei Erniedrigungen und Unterdrückung duldete. Bei einem war sich Seth sicher - diesen Mann sollte man unter keinen Umständen irgendwie verärgern oder unterschätzen. Sonst könnte dies bestimmt drastischer enden, als ein kleiner Schnitt im Finger. Mehr so in Richtung Finger einzelnd abgeschnitten. Deshalb erleichterte es ihn, wo der Größere schließlich vom Koch abließ, sich aber dann ihm selbst zuwand. Mit großen Augen lauschte er der Frage, die sich wirklich in sein Trommelfell fräßte. Automatisch glitt sein Blick zu den zwei Gastronomen, anschließend was gen Boden. Er wusste eins - sein erneuter Retter hatte Recht. Sich so etwas gefallen zu lassen, dies hatte er nun wirklich nicht verdient. So gut wie keiner. Sich von solchen Menschen herumschubsen zu lassen. Er fühlte sich dumm und naiv. . . dass er nicht längst eingesehen hatte, diese Menschen sind nicht gut für ihn. Das man ihn erst wachrütteln musste, war echt traurig. ,,Nein", setzte er somit an, blickte in die vom Visier verdeckten Augen, mit entschlossenen Blick. ,,Mit solch gierigen und skrupellosen Menschen möchte ich mich nicht abgeben", fixierte er die Männer mit trockener Stimme. Man sah dem Küchenchef deutlich an, dass ihm die Worte verärgerten. Doch war seine Angst dem Cyborg gegenüber größer, als sein Ego.

Bei den Worten über Verletzte und das der Blonde blutet, realisierte er erst so wirklich, seine Nackenwunde war wieder offen. Mit einer Hand tastete er vorsichtig nach dieser und vernahm direkt das warme Blut und die offene Haut. ,,Verdammt", murmelte und kniff ein Auge zusammen, da es schon ziemlich wehtat und seine Fingerspitzen betrachtete, welche eine leichte Blutschicht durch die Berührung trugen. Doch war dies für ihn gerade Zweitranging. Er wollte hier einfach nur weg, so wie der Cyborg es sagte. Mit einem: ,,Ja", verschwand er kurz in einen Nebenraum, wo er seine dunkelgraue Strickjacke und schwarze Umhängetasche holte. Mit diesen in der Hand kam er wieder und wollte gehen, hielt aber nochmals inne. Mit einem alles andere als freundlichen Blick - was bei ihm eine Seltenheit war - fixierte er den Koch, welcher mit den Kanninchenrollanden beschäftigt war. Mit einer Hand entknotete er seine Kellnerschürze, zog sie sich von den Hüften und warf sie geradewegs in die Pfanne. Jetzt konnte man das Essen wirklich wegwerfen. ,,Falls Sie die Entlassung zurückziehen wollten, vergessen Sie es. Ich kündige", sprach er direkt, ohne noch auf das Gefluche des Kerls zu reagieren. Dabei griff er nach dem Ärmel des Brünetten und zog ihm zum Angestelltenausgang, bevor er dem Koch nachmals an die Gurgel gehen konnte. Gäbe es ein Mord, wären die Raitas bestimmt schnell vor Ort. Wenn sie nicht bereits schon unterwegs waren. . . er hoffte es mal nicht, sonst würden sich ihre Wege bestimmt direkt wieder trennen.

Der Angestelltenein- und Ausgang schloss auf die Seite des Lokals an, wo man über einen kleinen Gang direkt auf die Straße gelangte. In die andere Richtung der gute Hinterhof. Draußen angekommen zog der Junge den Älteren erstmal was die Straße entlang, da er es für besser hielt, nicht mehr direkt beim Gebäude zu stehen. Nicht, dass echt noch jemand die Polizei gerufen hatte. Dafür, dass es so spät war, waren die Straßen trotzdem voll, weshalb die zwei Gestalten wenig auffielen. Wahrscheinlich besser so. Doch irgendwann blieb Seth stehen, wo sie was abgelegener waren. Knapp hundert Meter vom Lokal entfernt. Dort ließ er auch den Ärmel des Mannes los und zog sich mal seine Strickjacke über, während er sich dem Anderen zuwand und ansah.

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BeitragThema: Re: Persona Non Grata   Sa Aug 12, 2017 3:55 am

Angst war anscheinend das einzige, was die Hierarchie innerhalb dieser Mauern regulieren konnte, sowohl zum Nachteil als auch zugunsten des jungen Mannes. Das Prinzip ließ sich allerdings umkehren, und Bel würde es auch gewiss nicht verurteilen, wenn jemand sich nicht aus eigener Kraft aus dieser von außen eingetrichterten Rolle befreien konnte oder es nicht wagte. Konnte nämlich auch gewaltig nach hinten losgehen und dann noch schlimmere Konsequenzen nach sich ziehen. Angst bedeutete Kontrolle. Kontrolle bedeutete Macht. Angst jedoch war eine völlig normale Schutzreaktion, und es war absolut widerlich darauf seine Macht zu stützen. Niemand konnte erwarten, dass jeder so abgeklärt war wie Bel, der keine Angst vor Zivilisten, vor dem hierarchischen Gefüge einer scheinheiligen Gesellschaft haben musste, und daher auch keine Furcht vor Repressionen haben musste.
Doch konnte es nicht schaden, den Blick zu schärfen so wie er es schon vor der Hintertür beim letzten Treffen getan hatte. Mochte sein, dass er nicht allen und jedem helfen konnte, aber erstens war es falsch, Ungerechtigkeit zu dulden und damit eine Mitschuld auf sich zu ziehen, und zweitens schlossen sich Freundlichkeit und gesunde Skepsis nicht per se aus. Wenn er eins so weit einschätzen konnte, hatte er es mit einem von Grund auf ehrlichen und gutmütigen Menschen zu tun, von dem er nicht dachte dass es sie noch gab, doch er schien gänzlich unbeeindruckt von Hasspropaganda, Dogmen der Verachtung und Voruteilen. Eine vor die Säue geworfene Perle.

Der Junge überlegte sichtlich, sah zu den Schuldigen, zu Boden, und dann erst zurück zu Bel selbst. Dieser hatte sich mittlerweile wieder halbwegs beruhigt, da die Situation geklärt war zum größten Teil und vorallem die akute Bedrohung abgestellt. Und so ehrlich, wie er den Jungen einschätzte, antwortete dieser auch, wirkte auch nicht leichtfertig dabei.
"Musst du auch nicht.", antwortete Bel trocken, unterschwellig anklingen lassend dass er alle Freiheit hatte. Niemand zwang jemanden, hier zu bleiben, und wenn, war das falsch. Der Cyborg beließ es dabei und widerstand dem Drang nach der Hand des Jungen zu packen, damit er sich nicht  an die Wunde fasste – aber das müsste er wohl von einem Arzt versorgen lassen, Bel hatte nichts passendes dabei. Konnte man hier nichts machen, umso wichtiger dass sie langsam mal verschwanden.
Während der Junge seine Sachen holen ging, zündete Bel sich dann doch noch eine Kippe an und war so nett, die Messerklinge aus der Arbeitsplatte zu ziehen. War nicht mehr zu gebrauchen, aber das gespaltene Material der Platte sah interessant aus, eine schöne Erinnerung und Mahnung. Vielleicht half es dem Nachfolger Seths, ein wenig bessere Umstände vorzufinden.
Ihm entkam dann doch ein Glucksen, als dieser seine Kündigung ordnungs- und fristgemäß einreichte. Fristlos, genau genommen, und die Schürze mit Schweiß und Blut war eine hervorragende Ergänzung für das Menü. Er drückte die Zigarette auf einer Wandfläche aus und ließ sich dann mitziehen, der Junge kannte den Weg heraus besser als er selbst. Schade um das unvollendete Glas Scotch, aber hatte ja nichts bezahlen müssen. Klar hätte man noch den ausstehenden Lohn einfordern können, aber wenn es etwas kostbares gab das der Krümel hieraus erhielt, war das seine Freiheit.

Es ging einen schmalen Gang entlang und von da aus fast direkt auf die Straße, was ihm für einen Moment das übliche Misstrauen einflößte, aber es war nur ein ganz normaler Ausgang für Angestellte. Er schloss seinen Mantel wieder und pfriemelte nach einer weiteren Zigarette, immernoch dem Zug des Jungen durch die Straßen folgend, er kannte sich vermutlich besser aus als Bel selbst. Erst irgendwann in einem Eck verlangsamte der frisch befreite Kellner und ließ los, woraufhin Bel stehenblieb. Dann hob er die Hand und tätschelte kurz den blonden Schopf, aufpassend ihm damit nicht auch noch wehzutun.
"Gut gemacht.", sagte er schlicht und schob die Hand dann in seine Manteltasche zurück, "Brauchst du 'nen Arzt oder geht das mit deinem Hals?"
Es brauchte durchaus Mut, so einen Schritt zu wagen, gerade wenn man das ganze Leben ja noch vor sich hatte, wenn alle Türen offen standen, wortwörtlich. Trotzdem, er fragte mal besser nach, ob diese Anstellung lebenswichtig und versorgend gewesen war, denn dann war der Schritt zwar auch der Richtige gewesen, aber nicht folgenlos.
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BeitragThema: Re: Persona Non Grata   Mo Aug 14, 2017 2:59 am

Seth zuckte minimal zusammen und schloss automatisch die Augen, wo der Ältere seine Hand hob und auf ihn zubewegte. Da er nicht wusste, was dieser machen würde - und immer noch ziemlich aufgeschreckt vom Zusammenbrüllen eben war -, machte er dies aus kleinen Schutzreflex. Daher war er umso überraschter, wo er diese sehr fürsorgliche Berührung auf seinem Kopf vernahm. Unsicher öffnete er erst ein Auge, um aufzusehen. Als er die Situation dann realisierte, öffnete er auch das andere Auge und blickte mit einer Mischung aus Verlegenheit und Irritation in das Gesicht vor sich. Doch auch schwang Freude mit. Bei dem Lob bildete sich schließlich noch ein sanftes Lächeln auf seinen Lippen. Dieses Lob tat ihm irgendwie ziemlich gut und freute ihn auch ungemein. Bei den nächsten Worten schüttelte er jedoch den Kopf. ,,Es geht schon, danke. Ich habe extra Verband und Pflaster dabei, sollte nochmals etwas aufgehen." Mit den Worten öffnete er auch seine Umhängetasche, wo er einen Handschuh, Creme und ein großes Wundpflaster hervor kramte. ,,Zudem muss ich morgen nochmal zum Arzt, zur Kontrolle. Eine Nacht werde ich auch warten können."

Den Handschuh angezogen, cremte er erst vorsichtig die Wunde ein, bevor er das Pflaster öffnete. Während er dieses vorsichtig draufklebte, erkundigte sich der Cyborg, ob der Job für ihn relevant war. Diese Sorge lies ihn wieder lächelnd. ,,Nun", setzte er an, nachdem er sich verarztet hatte und packte alles wieder sorgsam in die Tasche. ,,Teils ja, teils nein. Hauptsächlich brauchte ich dies, um meine duale Ausbildung komplett abschließen zu können. Aktuell befinde ich mich in der Zeit, wo man im Betrieb arbeitet." Etwas nervös lächelnd kratzte er sich etwas an der Wange. ,,Nun, da ich die Stelle verloren habe, werde ich dies morgen erstmal meiner Schule melden. Wenn ich erzähle, wie ich dort behandelt wurde, werde ich bestimmt keine Konsequenzen davontragen. Wahrscheinlich wird der Kette dann ihre Ausbildungslizenz entzogen. . . aber da in gut jeden Lokal so vor sich ging, wäre dies wahrscheinlich gar nicht so schlecht", den letzten Satz murmelte er mehr gedankenverloren zu sich selbst.

,,Ich hatte da noch zusätzlich als Aushilfe gearbeitet, um meinem Vater etwas unter die Arme zu greifen. Er verdient zwar nicht schlecht, aber dennoch möchte ich ihn als Sohn nicht auf der Tasche liegen", erzählte er relativ munter weiter. War ja nicht direkt deutlich, dass er einem Scamaton indirekt über einem Raitas etwas mitteilte. Aber daran dachte er auch gerade wenig. ,,Zudem macht mir die Arbeit ja auch eigentlich einen heiden Spaß und ich möchte viel Erfahrungen sammeln, da ich irgendwann selbst in der Gastronomie tätig sein will." Halbe Lebensgeschichte später, wobei es dem Größeren wahrscheinlich wenig juckte - das halbe ja zu Beginn hätte wohl genügt - lächelte den Blonde ihm dankbar auf. ,,Dennoch. . . bin ich Ihnen von Herzen dankbar Sir." Leicht verneigte er sich, wie damals in der Gasse schon. ,,Ohne Ihre Hilfe und Ihren Beistand stände ich weiterhin unter der Tyrannei dieser Personen. . . ich vermag mir auch gar nicht auszumalen, wie lange dies noch angehalten hätte." Leise seufzte er, über seine eigen Naivität.

Sich wieder richtig hinstellend, betrachtete Seth wieder das Gesicht des Brünetten. ,,Ich danke Ihnen wirklich sehr, Sir. Nicht nur hierfür. . . auch für unsere letzte Begegnung. Zwar habe ich gewisse Blessuren davon getragen - dennoch bin ich sehr froh über das, was geschehen ist." Leicht lachte er: ,,Und wäre dies nicht geschehen, wären wir und wohl auch heute nicht begegnet und so weiter."
Mit neugierigen, aber ruhigen Blick sah er den Cyborg an. Er wollte diesem nach seinem Namen fragen - doch da fiel ihm etwas ein. Er hatte sich selbst noch gar nicht vorgestellt! Da es höflicher war, sich zuerst vorzustellen, tat er dies aus. Die Hand ausstreckend, sah er mit großen Augen auf. ,,M-mein Name ist übrigens Seth, Sir. Seth Viome."

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BeitragThema: Re: Persona Non Grata   Di Aug 15, 2017 11:46 am

Eine tolle Gesellschaft, die dafür verantwortlich war einem Jungen nicht mehr loben zu können ohne ihn Zu verunsichern. Wobei Bel selbst ja gerade erst bewiesen hatte, ausflippen zu können, vielleicht war es irgendwo auch seine Schuld. Nichtsdestotrotz kam kein Protest und bald schon schien der Junge sich zu freuen, es war ja auch tatsächlich aufbauend gemeint. Es konnte nicht leicht sein, sich so drastisch loszumachen, ob positiv oder nicht, es war immer ein entsprechend schwieriger Schritt. Es war vorausschauend, sich etwas für die Wundversorgung mitzunehmen - das hatte er sogar Bel voraus - zwar nicht die beste Location, aber immerhin. Bel sah dabei aus dem Augenwinkel zu, sich bemühend nicht in seine Richtung zu qualmen, und brummte zustimmend zum morgigen Kontrolltermin. Zumindest darum wurde sich gekümmert.

Es störte Bel durchaus nicht, dass der Junge ein bisschen mehr erzählte als vielleicht unbedingt nötig. Es gab ihm einen guten Eindruck von dessen Lebensumständen, welche Auswirkungen das hatte , und wenn es dem Scamaton egal wäre, hätte er sich ja nicht die Mühe gemacht hierher zu kommen. Er interessierte sich tatsächlich dafür, wessen Leben er jetzt nicht ein, sondern zwei Mal auf den Kopf gestellt hatte.
"Wenn jemand merkt, dass seine Art Macht auszuüben funktioniert, wird derjenige das so lange tun wie man ihn lässt.", antwortete Bel, ohne es aber allzu deutlich zu sagen dass man damit auch die Raitas selbst meinen könnte, "Wenn du den Job gern machst, dann bleib auf jeden Fall dran. Rückschläge gibt es immer, aber dann ist es dir die Sache wenigstens wert.", meinte er. Es war bewundernswert etwas zu haben was einem Spaß machte, und viele Leute hätten sicher ihren Traumjob. Bel konnte sich den Jungen tatsächlich gut in dieser Rolle vorstellen, vielleicht in einem gemütlichen Lokal, mit der Zeit sich mit Kunden auch zu beschäftigen. Doch zumindest da schien er durchaus zielstrebig zu sein. Auch wenn sich Bel etwas überfordert mit der so deutlich ausgedrückten Dankbarkeit sah, schon letztes Mal hatte ihn das etwas verwundert. Passte aber, immerhin waren sie immernoch vor der Öffentlichkeit und er selbst in der total überzeugenden Rolle eines Raitas nach Feierabend.

"Schon in Ordnung... Ist ja auch irgendwie mein Job.", erwiderte der Cyborg, war ja tatsächlich auch deshalb zurück gekommen um zu prüfen, wie viel Ärger ihre erste Begegnung dem Blonden beschert hatte, nur um gleich den nächsten Brand zu löschen. Bel trat den Zigarettenstummel auf dem Asphalt der High City aus und ergriff dann die ihm dargebotene Hand. Stimmt, eine Vorstellung war längst überfällig, und anders als dem Koch wollte er Seth auch nicht die Hand brechen.
"Beleth.", sagte er, "Auch wenn du das genau so wie vorher lieber wieder vergisst. Zumindest offiziell ist deine Welt noch hübsch heil und ich will daran nichts ändern."
Und doch war nicht zu leugnen, dass es jetzt schwerer werden würde, den Kopf gesenkt zu halten, keine Fragen zu stellen, den Kritischen Blick mit einem Lächeln zu kaschieren. Für Bel selbst war es die Entscheidung in einer einzigen Nacht gewesen, doch das galt nicht für alle Scamaton. Überhaupt, er war nicht hier um jemanden zu rekrutieren, oder? Der Knabe hatte sein Leben noch vor sich und eine Plan was er damit zu tun gedachte. Und trotz allem verspürte der Hauptmann ein bisschen Zufriedenheit, einen Kleinen Teil dazu beigetragen zu haben.
"Hast du es weit bis nach Hause?"
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Cifer

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BeitragThema: Re: Persona Non Grata   Di Aug 22, 2017 2:55 am

Es war ja schon paradox. Der Blonde hatte sein Leben lang unter Raitas gelebt. Zwar nicht im Hauptgeschehen, doch auch so hatte er einiges mitbekommen. Wie sie lebten, sich verhielten, ihre Ziele. Vieles davon hatte sich in seinem Hinterkopf eingeprägt. Dass die Raitas die Guten waren und für das Wohl der Bürger da waren. Daher war es schon kurios, dass der Scamaton zu den wenigen - seinem Bruder und Vater -, bei denen er sich wirklich wohl und sicher fühlte. Wer weiß, vielleicht war dies ja sehr naiv von ihm. So wie fast alles, was er bereits gemacht hatte. Oder, es war das erste wirklich kluge, dies er machte. Er wurde fast immer nur ausgenutzt, da Leute durch ihn ihren eigenen Profit erzielen wollten. Doch dieser Mann schien sich wirklich Gedanken um den Jüngeren zu machen. Dies hoffte er zumindest. Denn hatte sich dieser für ihn ja selbst in eine riskante Situation begeben. Wenn dies nicht zeigte, dass dieser wirklich eine nette Seele war, dann wusste er auch nicht weiter.

Schon frustrierend, dass Seth den Worten nur zustimmen konnte. Schließlich hatte er sowas gerade am eigenen Leibe erfahren müssen. Nachdenklich betrachtete er die Personen, die unbeschwert wirkend durch die Straße gingen. ,,Dies ist traurig. Ich frage mich, woher sich solche Leute das Recht dazu nehmen, so mit anderen umzugehen. So auf andere herumzutrampeln. . . und diese merken es nicht." Nervös kratzte er sich an der Wange und lachte, mit etwas bitteren Unterton: ,,Nun ja. . . gerade eben war es bei mir ja nicht anders. . ." Anschließend glitt sein Blick wieder zum Cyborg. ,,Sie haben mir in diesem Punkt wohl die Augen geöffnet, Sir."
,,Aber ja", wurde lächelnd genickt. ,,Ich lasse mich davon nicht beirren. Ich sehe es viel mehr. . . als neue Chance. Anders zu denken wäre wohl auch wahrscheinlich kein guter Weg." Es wäre auch nicht seine Art. Etwas hatte diese naivliche Freundlichkeit ja schon, man versuchte stets alles positiv zu sehen.

Sich erst darüber freuend, dass der Widerständler seinen Dank annahm , fragte er sich hinterher schon - wie in den letzten Tagen schon so oft -, ob die Scamaton wirklich so übel war, wie es ihm früher immer eingetrichtert wurde. Der Mann vor ihm wirkte auf ihn keineswegs wie ein geisteskranker Irrer, der sich nur gegen die Regierung aufspielte, nur um irgendwelche Macht zu haben. Nein, er war sich sicher, dass es sich hierbei um einen herzensguten Cyborg handelte, dem das Leben anderer sehr wichtig war. So wirkte dieser vielleicht nicht auf den Blick, mehr wie ein mürrischer Zeitgenosse. Doch stufte Seth diesen mal unter die Kategorie 'harte Schale, weicher Kern' ein. Zumindest für gewisse Situationen. Konnte er nur bestätigen, schließlich war er schon zweimal von diesem gerettet worden. Ihm kam da mehr in den Sinn, dass dieser ihm sofort geholfen hat und Raitas, die gesehen haben, wie man mit ihm dort umsprang, nichts gemacht hatten. . . da fragte man sich doch gleich, wer hier die wahren Wohltäter waren.

,,Beleth", wiederholte er murmelnd den Namen, der ihm gerade genannt wurde. Freudig lächelte er zu seinem Gegenüber hinauf. Er wollte sagen, wie schön dieser Name doch war und das er diesen unter keinen Umständen mehr vergessen würde. Auf gar keinen Fall. Doch stutzte er bei den nächsten Worten. Irgendwie hätte er sich sowas in der Richtung auch erahnen können. Das Lächeln verschwand und wisch mehr einem fragenden und unsicheren Blick. ,,Dies tun Sie nicht, Sir. Ganz im Gegenteil. . . ich bin davon überzeugt, dass sie mein Leben, so wie gerade, mehr heile gerückt haben, als es schon vorher war." Schließlich würde er sich jetzt nicht mehr erniedrigen lassen und überarbeitet werden, woran er irgendwann überfordert zusammenklappen würde. Oder wenn sich sowas wie am heutigen Abend wiederholt hätte und kein respekteinflößender Cyborg ihn vor dem offensichtlichen, sich nicht kontrollieren könnenden Küchenchef gerettet hätte. Schließlich gab es in einer Küche viele gefährliche Gegenstände.

Bei der Frage hin, ob es Seth denn weit bis nach Hause hätte, blickte er schon automatisch gen Westen. ,,Na ja, ich wohne in der High-City des Westbezirkes. Ich muss nur ein paar Bahnen nehmen und etwas Fußweg." Klang vielleicht für ihn nicht nach allzu viel. Schließlich war er es gewohnt. Doch wenn man bedachte, dass ein Bezirk so groß war, wie eine Großstadt aus vergangenen Zeiten, war es schon ein ziemlich langer Weg. Doch dies war das, was ihn gerade weniger kümmerte. Diese Frage hieß nämlich, dass der Brünette wohl dafür Anstalten machte, den Kleineren Heim zu schicken. Doch wollte er dies nicht. Er hatte noch so viele Fragen. Auch, wenn diese bestimmt nicht beantwortet werden würden, da der Mann schon von gesprochen hatte, der Blonde solle dies alles vergessen. Dies wollte und konnte er aber nicht. Irgendeinen Weg musste es doch geben, sich noch mit ihm unterhalten zu können. ,,Aber!", setzte Seth somit an und sah entschlossen auf. ,,Ich möchte mich sehr gerne bei Ihnen revanchieren, Si-, ehm, Beleth. Schließlich weiß ich nicht, wo ich nun wäre und in welcher Lage, wären Sie damals nicht aufgetaucht." Nicht nachgeben wollend, falls Widerspruch kam, veränderte sich seine Miene kein bisschen. ,,Ich bestehe darauf."

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Beleth

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BeitragThema: Re: Persona Non Grata   Sa Aug 26, 2017 3:18 pm

Bel wusste, dass es vielen Leuten so ging wie diesem Jungen, viele Zivilisten wurden unter den Raitas geboren, wuchsen auf, starben wieder, ohne jemals zu ahnen dass mehr dahinter steckte als die trügerische Sicherheit des Systems. Das war mitunter ein Grund, weshalb der Assassine nie, niemals einen Unbeteiligten angreifen oder seinem Schicksal überlassen würde – sie konnten nichts dafür. Sie kannten es nicht anders, es war ihre Normalität und diese war in der Regel gar nicht so schlecht, wieso also dagegen auflehnen? Bel war doch genauso gewesen, ein junger, aufstrebender Arzt, der jetzt nicht hier wäre, wenn ihm nicht ebenso gewaltsam und weit verlustreicher die Augen geöffnet worden wären. Vielleicht stimmte das ja, vielleicht tat die Raitas Dinge, die gut für Bürger waren, aber eben nicht für alle, jeder der mal die Untiefen der Down-City besucht hatte, wusste das. Es beschützte sie vielleicht auch – aber auch dann wieder nicht alle. Wie man unschwer erkennen konnte, war das Solidaritätsgefühl untereinander nicht allzu groß, wenn es so legitim schien einen Angestellten als niedere Kreatur anzusehen. Ab und an brauchte es einen Scamaton, um ihnen klar zu machen, dass es andere Probleme gab als sich gegenseitig zu dominieren.

"Es ist nur natürlich, seine Sache gut machen zu wollen und zu versuchen, Ärger zu vermeiden. Bei einigen mehr, anderen weniger.", erwiderte er, "Doch es ist immer falsch, seine Erfolge auf den Rücken anderer zu lasten. Jetzt weißt du es ja."
Natürlich hatte der Kleine schon viel mehr erduldet, als er hätte erdulden müssen, aber genau das würde verhindern, dass das je wieder passierte. So lange man seine Fehler oder sein Unwissen überlebte, gab es immer die Chance, es besser zu machen. Und wenn man das beherrschte oder diesen Punkt übersprang, konnte man gleich dazu übergehen auch anderen zu helfen. Und so, wie er Seth einschätzte, würde dieser gut zurechtkommen, seine Einstellung war nicht grundsätzlich falsch – sie wurde nur zu seinem Nachteil genutzt, wenn er es zuließ. Viele der aufgeworfenen Fragen würde er sich nur selber beantworten können, ob sich etwas für ihn änderte, wie es sich veränderte, was von all den Dogmen der sogenannten Anführer der Welt stimmte, wie viel von dem, was man sich erzählte, auch der Wahrheit entsprach.
Jedenfalls war es Bel lieber, seinen Namen zu nennen, als weiterhin Sir genannt zu werden. Dem Koch gegenüber hatte er zwar diesen Respekt eingefordert, weil ein Raitas das tun würde, er selbst konnte aber gut und gern drauf verzichten. Titel waren Masken, sie schufen unnötige Distanz von Leuten, die sich auch mit Lächeln und per Du noch respektieren würden. Er wusste allerdings nicht, was er erwidern sollte auf die nächste Äußerung, ihm fiele nichts ein außer zu widersprechen. Mochte sein, dass es dem jungen Mann als Bereicherung erschien, jetzt ganz neue Erfahrungen gemacht zu haben, doch über den Tellerrand zu blicken war eine Sache – sich dabei nicht erwischen zu lassen eine andere. Wenn es ungefährlich wäre mit den Scamaton zu tun zu haben, wäre ihre erste Begegnung nicht so gewaltbereichert verlaufen. Ein guter Gedanke, dass Seth nun etwas mehr Selbstbewusstsein und -achtung an den Tag legen wollte, aber er sollte nicht deshalb in Schwierigkeiten geraten. Sich aus der am Boden kauernden Menge zu erheben, um besser sehen und sich umschauen zu können, wurde nicht gern gesehen. Bel nickte nur leicht, seine Antwort dadurch ersetzend noch einmal an der Zigarette zu ziehen.

Westbezirk, hm, gedankich schon ein recht weiter Weg, jedoch war es mit der Bahn keine allzu große Strapaze. Info wurde abgespeichert, nur falls man es mal brauchte, zumindest nach Hause schaffte der Junge es hoffentlich ohne Geleitschutz. Man musste ja nicht noch mehr Querverbindungen zueinander schaffen, was sollten die Nachbarn sagen? Zumal Bel an jedem Einsatztag damit rechnen durfte, seine Visage auf Fahndungsplakaten wiederzufinden, was ja nun auch nicht gerade vorteilhaft war wenn sich irgendjemand (insbesondere traumatisierte, cholerische Köche) dran erinnerten, wo man diese schon mal gesehen hatte.
War aber irgendwo schon putzig, wie sich die Haltung des Blonden straffte und er sich tatsächlich um Haltung mühte, was ihm fast etwas leidtat, so zerschrammt und fertig wie er aussah, doch es unterstrich, dass es ihm wohl ernst war. Nur: was sollte er schon tun? Eine Flasche Scotch kaufen, von seinem Ausbildungsgehalt? Ein paar Highclass Leader töten? Dieser vehement geäußerte Wunsch überforderte Bel ein wenig, er verstand diesen zwar, wusste aber nichts darauf zu erwidern. Für einige Momente schwieg er, die Stirn leicht gerunzelt (was in diesem Fall nicht mürrisch, sondern nachdenklich begründet war), und hob dann leicht die Schultern.
"Es ist nicht so, dass ich solche Dinge tue, weil ich mir davon etwas für mich selbst erhoffe.", antwortete er, das wäre nämlich geheuchelt und wiederum egoistisch, etwas zu tun nur um daraus Profit zu schlagen, nicht weil es das Richtige war, "Mich würde es freuen, wenn du etwas daraus machst. Wenn dir jedoch etwas anderes einfällt..?"
Vielleicht genügte es ihm ja wirklich, wenn sie noch um die Häuser zogen und er ein paar Drinks ausgeben durfte, Bel wusste es nicht, war auch toll! Nur wohlfühlen sollte der Knabe sich durchaus auch damit, er konnte das nicht gut abschätzen.
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Persona Non Grata
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